Magnus Chase – Der Hammer des Thor

Von Loki, Asgard und Walküren
Meine vierte August-Rezension 2026
Nachdem mir der erste Band von Magnus Chase so gut gefallen hat, konnte ich nicht anders und musste direkt zum zweiten Band greifen. „Magnus Chase – Der Hammer des Thor“ spielt knapp sechs Wochen nach der Handlung des ersten Bands. Hier sind Magnus und seine Freunde auf der Suche nach Mjölnir, Thors Hammer, und versuchen nebenbei noch eine kleine Katastrophe zu verhindern. Das Urban Fantasy-Jugendbuch erschien 2017. Ich habe überwiegend die Hörbuch-Fassung, gelesen von Nicolás Artajo, genutzt, und habe auch den zweiten Band wieder inhaliert. Ob das Buch von Rick Riordan aber mit seinem Vorgänger mithalten kann oder doch nur ein klassischer Übergangsband einer Trilogie ist, verrate ich euch hier ganz spoilerfrei.
Inhalt
Der 16-jährige Magnus Chase hat sich noch immer nicht ganz an die Vorstellung gewöhnt, ein Sohn Freys und damit ein Halbgott zu sein, als ihn schon wieder Ärger erwartet. Ein Neuankömmling im Hotel Valhalla namens Alex Fierro erscheint, doch sie ist ein Kind Lokis und damit womöglich eine Spionin des Gottes. Außerdem tötet ein Unbekannter vor Magnus‘ Augen Otis, eine der Ziegen Thors, dessen Hammer schon seit einiger Zeit verschwunden ist. Magnus ahnt eine Verbindung zwischen dem Ziegenmörder und den Dieb Mjölnirs und macht sich mit seinen Freunden auf eine gefährliche Verfolgungsjagd. Als dann noch Loki auftaucht, der gegen ihren Willen eine Hochzeit für seine Tochter Samirah al-Abbas arrangiert hat, haben Magnus und seine mythologischen Freunde alle Hände voll zu tun.
Cover
Auch dieses Cover erinnert mich wieder sehr an Percy Jackson: Ein riesigier, mächtiger Gott blickt auf einen kleinen, unscheinbaren Jungen herab. Der Junge, wahrscheinlich Magnus, steht mit dem Rücken zum Betrachter unten rechts im Bild, sein Schwert Sumarbrander in der rechten Hand. Im Hintergrund starrt das Antlitz eines Gottes mit langen Haaren und Bart auf ihn herab. In der rechten gepanzerten Hand hält er einen großen Hammer, der seine Stirn und einen Teil seiner Nase verdeckt. Der Gott ist somit höchstwahrscheinlich Thor und der Hammer Mjölnir, der Gegenstand, den Magnus und seine Freunde hier suchen. Dass es sich hierbei um den Gott des Donners handelt, erkennt man auch an dem Blitz, der ihm seitlich in den Zeigefinger schlägt. Außerdem regnet und stürmt es. Die kalten Grüntöne, die an Thors Hammer und Hand in ein leichtes Gelb übergehen, untermalen diese ungemütliche Atmosphäre zuständig. Ich finde die Illustration sehr treffend, sie sieht aber dem Cover von „Percy Jackson -Diebe im Olymp“ sehr ähnlich.
Kritik
„Eins hab ich jetzt gelernt: Wenn ihr eine Walküre zum Kaffee einladet, sitzt ihr am Ende mit der Rechnung und einer Leiche da.“, ist der erste Satz des ersten Kapitels „Könntest du bitte aufhören, meine Ziege zu killen?“. Eine Walküre ist in der nordischen Mythologie ein weibliches Wesen aus dem Gefolge des Göttervaters Odin. Meist haben sie langes Haar, tragen eine geflügelte Krone und reiten auf einem Pferd. Dabei werden sie oft mit einem Speer in der Hand dargestellt. Sie wählen auf dem Schalachtfeld die ehrenvoll Gefallenen aus und führen sie nach Valhalla. Magnus ist hier mit seine Walküren-Freundin Samirah al-Abbas verabredet, als sie erst von der Ziege Otis und dann von dessen Mörder gestört werden. Als nordischer Halbgott hat man aber auch keine ruhige Minute! „Magnus Chase – Der Hammer des Thor“ ist mit knapp unter 500 Seiten und 57 Kapiteln etwas kürzer als der erste Band. Witzige Kapitelnamen wie „Mein Schwert hat ein besseres Sozialleben als ich“, „Ich werde getötet und dadurch vor dem sicheren Tod gerettet“ oder „Sollte ich nervös werden, wenn die Pilotin betet?“, sind aber auch dieses Mal wieder dabei. Interessant ist auch, dass Riordan dieses Buch J.R.R. Tolkien widmet, während er den ersten Band bereits der Autorin Cassandra Clare gewidmet hat.
Magnus‘ engste Freundin hier ist Samirah al-Abbas, meistens Sam genannt. Sie ist gleichzeitig eine Walküre, Tochter Lokis, eine amerikanische Jugendliche und Muslima. Ihre Mutter stammt ursprünglich aus Bagdad, weil sie jedoch unverheiratet schwanger wurde, ist sie in die USA ausgewandert. Ihre Haare verbirgt Sam meist unter einem Hidschab, als Walküre trägt sie aber gleichzeitig eine Rüstung und führt eine Axt mit sich. Dabei dient ihr grüner Hidschab nicht nur dem Verstecken ihrer dunklen Haare, sondern auch als magischer Tarnumhang. Sam ist intelligent, selbstbewusst und vor allem verantwortungsbewusst. Sie ist diejenige, die Magnus und später Alex nach Valhalla bringt und damit eine Schlüsselfigur für den Plot. Sam ist die erste Muslima, die in Riordans Universum auftaucht. Besonders spannend ist dabei, dass sie sich sowohl an muslimische Regeln hält als auch dem nordischen Gott Odin dient. Aus diesem Grund wurde Samirah von den muslimischen Lesern mit gemischten Gefühlen aufgenommen: Riordan versuche zwar, mit den Vorurteilen gegenüber dieser Religion zu brechen. Gleichzeitig finde manche es aber unvereinbar, dass die Figuren hier den nordischen Göttern begegnen und ihnen dienen, während sie eigentlich schon einer anderen Religion angehören. Ich persönlich finde Sam aber sehr cool, gerade weil sie so viele Identitäten in sich vereint.
Riordans Schreibstil ist weiterhin leicht, direkt und lebendig. Die Sprache bleibt jugendlich, humorvoll und teilweise sarkastisch. Auch Magnus Chase als Ich-Erzähler, der seine Abenteuer rückblickend erzählt, bleibt der Leserschaft wie gewohnt erhalten. Das Tempo ist hier besonders hoch, für meinen Geschmack zu rasant. Es gibt ständige Wechsel des Handlungsortes und auch die kurzen Kapitel tragen dazu bei, dass die Szenen geradezu gehetzt wirken. Die Ereignisse überschlagen sich förmlich, weshalb ich mir manchmal ein langsameres Tempo gewünscht hätte, damit sich die Atmosphäre noch etwas stärker entfalten kann. Außerdem ist der Plot relativ vorhersehbar: Es gibt wie immer ein großes Ereignis in wenigen Tagen, weshalb die Helden nur begrenzt Zeit hat, einen magischen Gegenstand zu finden (hier Mjölnir). Gerade in der zweiten Hälfte wirkt der Plot viel zu eilig erzählt. Zwar macht das Erkunden der Götterwelten Spaß, als Leser verweilt man aber nicht lange genug an Orten, um sie wirklich zu verinnerlichen. So habe ich eher das Gefühl, dass ich diesen Plot nicht lange in Erinnerung behalten werde. Seine Linearität führt auch dazu, dass eine gewisse Vorhersehbarkeit existiert, vor allem in Bezug auf Loki.
Was mir jedoch sehr gefallen hat, sind die vielen Dinge, die man hier über die nordische Mythologie lernt. Wusstet ihr z.B., dass der Weltuntergang Ragnarök in vier Katastrophen unterteilt ist, nämlich der Fimbulwinter, der Weltenbrand, die Flut der Midgardschlange sowie die Verdunklung der Welt durch den Wolf Skalli? Oder dass Mimir der Hüter der Weisheit ist, der den Brunnen unter dem Weltenbaum Yggdrasil bewacht? Oder dass Odin sein Auge geopfert hat, um aus dieser Quelle des Wissens trinken zu können? Oder dass Odins Raben Hugin und Munin heißen? Oder dass Heimdall der Wächter von Asgard und der Himmelsburg ist, die an der Regenbogenbrücke Bifröst liegt? Ich könnte noch viel mehr Dinge aufzählen, die ich durch dieses Buch gelernt habe. Und genau das macht Riordans Bücher so lesenswert: Dass man neben den Abenteuern, Schlachten und Witzen sein Allgemeinwissen verbessert.
Das Ende wird leider auch ziemlich hastig erzählt, ist aber dennoch spannend und vielleicht sogar ein bisschen traurig. Das Finale macht schon sehr deutlich, worum sich die Handlung im dritten und letzten Band drehen wird. Vor allem der allerletzte Satz hat in mir ganz große Vorfreude auf den Abschluss der Trilogie geweckt (ihr werdet vielleicht kurz ausflippen).
Fazit
„Magnus Chase – Der Hammer des Thor“ ist insgesamt ein gelungener Zwischenband, der aber nicht ganz mit seinem Vorgänger mithalten kann. Rick Riordans Erfolgsrezept funktioniert größtenteils: Es gibt coole Helden, diverse Figuren, spannende Action und viel Wissenswertes über die nordische Mythologie. Allerdings ist das Tempo auch extrem hoch, sodass die Geschichte oft zu gehetzt erzählt wird. Innerhalb eines Wimpernschlags wechseln die Handlungsorte und ich kann euch aus Erfahrung sagen: solltet ihr beim Hörbuch für nicht einmal eine Minute mit den Gedanken abschweifen, verliert ihr den Faden. Zudem ist der Plot insgesamt vorhersehbar, weshalb diese Mischung aus Hektik und wenig Innovation dafür sorgt, dass der zweite Band von Magnus Chase zu den eher durchschnittlichen Werken Riordans gehören. Deshalb bekommt das Jugendbuch aus dem Jahr 2017 von mir gute drei von fünf Federn. Trotz ein paar Schwächen hatte ich aber Spaß mit dem Hörbuch und möchte heute noch mit dem dritten und letzten Band beginnen.

Ihr braucht eine Zweitmeinung? Lea von „Liberiarium“ hat ebenfalls eine lesenswerte Rezension über dieses Buch geschrieben:
Liberiarium: Magnus Chase 2