Magnus Chase – Das Schiff der Toten

6. September 2026 0 Von lara

Von Thor, Niflheim und Einherjer

Meine September-Rezension 2026


„Magnus Chase – Das Schiff der Toten“ aus dem Jahr 2018 ist der dritte und letzte Band der Urban Fantasy-Reihe von Rick Riordan, die ich in kürzester Zeit beendet habe. Da ich einige Male gefragt wurde, ob man diese Reihe unabhängig von Percy Jackson lesen kann, hier die kurze Antwort: Kann man machen, sollte man aber nicht unbedingt. Ich persönlich würde euch empfehlen, zuerst Percy Jackson zu lesen, dann die Kane-Chroniken, obwohl man die ggf. noch weglassen kann. Im Anschluss würde ich zu Helden des Olymp greifen und bestenfalls dann erst zu Magnus Chase. Die Abenteuer des Apollo würde ich danach empfehlen. Wenn ihr Magnus Chase ohne Vorkenntnisse lest, ist das grundsätzlich auch nicht tragisch, allerdings werdet ihr dann keinen Bezug zu manchen Anspielungen oder Gastauftritten haben. Für mich ist Magnus Chase aber Riordans beste Reihe seit Percy Jackson, deshalb lasst sie euch als Halfblood-Fans nicht entgehen!

Inhalt

Der 16-jährige Magnus Chase und seine Freunde mussten mitansehen, wie sich der Gott Loki von seinen Fesseln befreien und die Flucht ergreifen konnte. Nun plant der Gott des Bösen, die Götterdämmerung Ragnarök einzuleiten. Dazu trommelt er eine Armee aus Riesen und Untoten auf Naglfari, dem legendären Schiff der Untoten, zusammen. Um überhaupt eine Chance gegen Loki zu haben, müssen Magnus und seine Freunde sich auf die Suche nach zwei Dingen machen: Kvasirs Met und einen sagenumwobenen Wetzstein, der jede Waffe schleifen kann. Mit Freys Schiff, das die Gruppe Goldene Banane getauft hat, segeln sie über Jotunheim bis nach Niflheim, der Heimat von Eis und Kälte, um Lokis Pläne zu durchkreuzen.

Cover

Das Cover reiht sich optisch gut in die anderen der Reihe ein: Das Anlitz eines riesigen Gottes im Hintergrund mit dem Helden Magnus und seinem Schwert Sumarbrander unten rechts im Vordergrund. Der Gott im Hintergrund ist offensichtlich Loki. Sein langes, strähniges Haar lugt unter einem Helm hervor. Er grinst boshaft, während sein Gesicht von Narben durchzogen ist. Diese sind ihm vermutlich durch das Gift der Schlange zugefügt worden, die der Sage nach zur Strafe über seinem Kopf hing. Die Farben des Covers sind überwiegend in Gelb bis Orangetönen gehalten. Als Kontrast stechen nur Lokis eisblaue Augen hervor. Es ist ein cooles Cover, mein Favorit ist aber das erste mit Odin und dem Raben.

Kritik

„,Mach noch einen Versuch’“, sagte Percy zu mir.“, ist der erste Satz des ersten Kapitels „Percy Jackson gibt sich alle Mühe, mich umzubringen“. Alle Halfblood-Fans kreischen an dieser Stelle eine Runde, denn Percy und Magnus begegnen sich endlich! Allerdings nur für eine kurze Zeit, in der Percy ihm noch ein paar coole Kampftechniken zeigt, bevor Magnus sich auf den Weg macht, Loki wiedereinzufangen. Ein kleiner, süßer Fanservice, der unser Herz kurz höherschlagen lässt! Auch den letzten Teil seiner Geschichte erzählt Magnus hier rückblickend an seine Leser gerichtet aus der Ich-Perspektive. Mit knapp über 450 Seiten und 48 Kapiteln ist dieser Band der kürzeste der Trilogie. Aber natürlich sind auch hier wieder Brüllertitel für die Kapitel wie „Ich habe einen Albtraum über Zehennägel“, „Mein Schwert bringt dich nach (dramatische Pause) Funkytown“ oder „Warum kriegen die Kanonen? Ich will auch Kanonen!“, dabei.

Seit dem zweiten Band dabei, aber jetzt schon ganz fester Bestandteil ins Magnus‘ Truppe ist Alex Fierro, eine der wohl interessantesten Figuren der Reihe. Denn Alex ist genderfluid und möchte, je nach Tag, mit den Pronomen er oder sie angesprochen werden (der Einfachheit halber nenne ich Alex ab jetzt sie, da sie sich meistens als Mädchen fühlt). Als Kind des Loki kann Alex nämlich ihre Gestalt wandeln und sieht mit ihrer Genderfluidität mal männlich und mal weiblich aus, je nachdem, wie sie sich gerade fühlt. Sie hat grün gefärbte Haare und zwei verschiedenfarbige Augen: eines ist grün, das andere hellbraun, was ihre Wechselhaftigkeit noch zusätzlich unterstreicht. Ihr Kleidungsstil ist sehr auffällig: am liebsten kombiniert sie die Farben Pink und Grün, was übrigens Komplementärfarben sind. Dadurch fällt sie schon äußerlich sehr auf und macht den Anschein, dass sie nicht darum bemüht ist, sich an Erwartungen anzupassen. Alex ist selbstbewusst, schlagfertig und temperamentvoll. Obwohl sie sehr direkt sein kann, ist sie anfangs aber erst misstrauisch und verschlossen. Hinter ihrer manchmal leicht aggressiven Art steckt aber auch eine verletzliche Seite. Denn von ihrem menschlichen Vater wurde sie wegen ihrer Genderfluidität abgelehnt und auch Magnus fällt es spürbar schwer, es nachzuvollziehen, wenn sie eines Morgens sagt: „Heute bin ich ein Er, Magnus“. Trotzdem respektiert er Alex‘ Wunsch und genau das ist das Entscheidende hierbei: Man muss einen Menschen nicht immer völlig verstehen, um ihn zu respektieren.

Riordans Schreibstil bleibt weiterhin leicht, direkt und lebendig. Wie schon zuvor bildet sich ein starker Kontrast zwischen der flapsigen Jugendsprache und der nordischen Mythologie, wodurch den Sagen ein moderner Anstrich verliehen wird. Das Tempo bleibt insgesamt sehr hoch, was durch den Zeitdruck unterstützt wird, unter dem die Truppe steht. Etwa ab der Hälfte des Buches sagt die Göttin Frigg zu Magnus, dass er nur noch maximal zwei Tage habe, um Loki aufzuhalten. Die Handlung erstreckt sich also überwiegend auf wenige Tage, nur das letzte Kapitel bietet einen etwas längeren Zeitsprung. Der Spannungsbogen wird mit den actionreichen Kämpfen und der Bedrohung durch Ragnarök sowie den kurzen Kapiteln konstant hoch gehalten. Interessant ist, dass die Atmosphäre hier nicht nur chaotisch, humorvoll und abenteuerlich bleibt, sondern zwischendurch auch mal ernster oder sogar leicht emotional wird.

Besonders schön finde ich, dass Riordan sich hier aktiv mit diversen Themen wie Religion, Sexualität, Behinderung und Ausgrenzung auseinandersetzt. Nicht nur Alex, sondern auch Hearthstone oder Samirah tragen dazu bei, dass die Heldengruppe eben nicht nur aus weißen, heteronormativen Jugendlichen besteht. Riordans Helden sind entweder Waisen oder Kinder von Alleinerziehenden, weil der andere Elternteil göttlich ist. Das ist natürlich eine viel coolere Erklärung als einen Vater zu haben, der sich der Verantwortung entzogen hat. Percy war zudem ein schlechter Schüler oder Magnus zwei Jahre obdachlos. So gibt der Autor Kindern und Jugendlichen verschiedenste Identifikationsfiguren, deren junges Leben nicht immer optimal verlaufen ist. Magnus‘ Truppe zeigt so, dass man nicht perfekt sein muss, um ein Held zu sein. Und das ist eine wunderbare Message!

Der einzige Kritikpunkt ist für mich das Ende: An sich finde ich das Finale gar nicht schlecht und es ist auch mal etwas anderes als das ewige Schwertschwingen und Lanzenstechen. Aber es wird leider viel zu schnell abgehandelt und wirkt einfach nicht so spektakulär, wie man erwarten könnte. Die ganze Zeit wird von der Welten zerstörenden Ragnarök gewarnt, und dann löst Magnus das Problem auf etwa 10 Seiten? Wie antiklimaktisch! Das übereilte Tempo geht hier leider auf Kosten der Ausarbeitung. Kurzum: kein schlechter Abschluss, aber es hätte ruhig etwas epischer sein können.

Fazit

„Magnus Chase – Das Schiff der Toten“ ist für mich ein gelungener Abschluss der Trilogie, die vor allem durch ihre sympathischen und diversen Figuren, den typischen Humor und die Mischung aus nordischer Mythologie und moderner Jugendsprache überzeugt. Besonders die gesellschaftlichen Themen, die Rick Riordan in diesem Band aufgreift, sind gelungen und geben der Geschichte mehr Tiefe, als man von einem Urban-Fantasy-Abenteuer vielleicht erwarten würde. Leider verschenkt das Finale einiges an Potenzial, da der große Showdown viel zu schnell abgehandelt wird. Trotzdem hat mir Magnus Chase insgesamt besser gefallen als bspw. die Kane-Chroniken oder Helden des Olymp. Deswegen gebe ich dem dritten Band aus dem Jahr 2018 verdiente vier von fünf Federn. Nächstes Jahr möchte ich noch Die Abenteuer des Apollo lesen, bevor ich Riordans Jugendbüchern den Rücken zukehren werde.

Ihr braucht eine Zweitmeinung? Marcus vom „Bücherkaffee“ hat ebenfalls eine lesenswerte Rezension über dieses Buch geschrieben:
Bücherkaffee: Magnus Chase 3