Magnus Chase – Das Schwert des Sommers

Von Odin, Valhalla und Ragnarök
Meine dritte August-Rezension 2026
Das Motto für die Lesechallenge im August lautet: „Lies den ersten Teil einer Reihe“. Das hat sich sehr gut getroffen, denn ich wollte sowieso eine neue Reihe beginnen: Magnus Chase von Rick Riordan. Ich war ein großer Fan der Percy Jackson-Reihe und habe danach die Kane-Chroniken sowie die Helden des Olymp gelesen. Magnus Chase befasst sich vor allem mit der nordischen Mythologie, nachdem man in den anderen Reihen schon viel über die griechische, ägyptische und römische Mythologie gelernt hat. Vielleicht bin ich für Riordans Jugendbücher schon etwas zu alt, denn ich hatte schon bei Helden des Olymp das Gefühl, dass vergleichbare Abenteuergeschichten immer anders verpackt sind. Wegen dieser Formelhaftigkeit hatte ich die Sorge, dass mir „Magnus Chase – Das Schwert des Sommers“ aus dem Jahr 2016 gar nicht gefallen könnte.
Inhalt
Magnus Chase war 14 Jahre alt, als seine alleinerziehende Mutter unter mysteriösen Umständen ums Leben kam. Seitdem lebt er als obdachloser Jugendlicher auf den Straßen Bostons und kämpft täglich um sein Überleben. Doch an seinem 16. Geburtstag verliert er diesen Kampf gegen einen Feuerriesen namens Surt. Anstatt nun die Radieschen von unten anzuschauen, erwacht Magnus jedoch im Hotel Valhalla, wo er zum Einherjer erklärt wird, einem Krieger, der ehrenhaft mit einer Waffe in der Hand gestorben ist. In Odins Festhalle erfährt er, dass er ein Halbgott und sein Vater Frey ist, der Gott des Frühlings, Sommers, Wohlstands, Überflusses sowie der Fruchtbarkeit. Dabei ist Magnus Teil einer Prophezeiung, bei der verhindert werden muss, dass der böse Fenriswolf seine Ketten sprengt. Doch dazu muss er das Schwert des Sommers finden. Und das hat er leider bei seinem Tod im Charles River verloren.
Cover
Die illustrierten Cover erinnern stark an Percy Jackson. Im Hintergrund ist das große Gesicht eines Gottes, der einen Wikingerhelm trägt und mit grimmigem Gesicht auf den Jungen blickt, der im Vordergrund steht. Anhand der Augenklappe über dem rechten Auge wird klar, dass es sich hierbei um den Göttervater Odin handelt. Dies wird auch durch den Raben unterstrichen, dessen Kopf von der linken Seite ins Bild ragt. Denn Raben sind in der Mythologie eng mit Odin verknüpft. Der Junge, der mit dem Rücken zum Betrachter steht, trägt ein T-Shirt und Jeans. In seiner rechten Hand hält er ein Schwert. Damit handelt es sich hierbei eindeutig um Magnus Chase und das Schwert des Sommers. Die Farben des Covers sind überwiegend in Orangetönen gehalten, mit Tendenzen zu Gelb und Grün. Insgesamt erinnert mich das Cover sehr an „Percy Jackson – Diebe im Olymp“, da Magnus hier in derselben Pose an derselben Stelle mit einem Schwert in der Hand steht wie Percy.
Kritik
„Klar, ich weiß.“, ist der erste Satz des ersten Kapitels, der wegen seiner Kürze nicht viel mehr offenbart, als dass es hier einen Ich-Erzähler gibt. Dieser ist Magnus Chase und er spricht zu Beginn seine Leserschaft direkt an. Das wird als „Durchbrechen der vierten Wand“ bezeichnet und kommt ursprünglich aus dem naturalistischen Theater. Fans von Riordan sollten dies aber auch schon aus Percy Jackson kennen. Interessant ist auch, dass Riordan dieses Buch der Autorin Cassandra Clare widmet mit dem Kommentar: „danke, dass ich den wunderbaren Namen Magnus benutzen darf.“ Damit verweist Riordan auf den Hexenmeister Magnus Bane, der in Clares „Chroniken der Unterwelt“ sowie „Chroniken der Schattenjäger“ vorkommt, und der damals meine absolute Lieblingsfigur war! „Magnus Chase – Das Schwert des Sommers“ ist mit fast genau 550 Seiten und 72 Kapiteln plus Epilog eines der umfangreicheren Bücher Riordans. Dabei haben die Kapitel die typischen schrägen, witzigen Titel, die man schon von Percy Jackson kennt. Darunter sind bspw. Kracher wie „Guten Morgen! Gleich wirst du sterben“, „Der Mann mit dem Metall-BH“ oder „Komm auf die Dunkle Seite. Hier gibt’s Muffins“. Außerdem gibt es ein praktisches und gut sortiertes Glossar, in dem man Begriffe aus der nordischen Mythologie nachschlagen kann.
Protagonist ist hier der 16-jährige Magnus Chase. Er ist groß und schlank, hat blondes Haar und graue Augen. Anfangs ist er etwas verwahrlost, da er zwei Jahre als Obdachloser leben musste, weshalb seine Haare auch etwas länger sind. Magnus ist vor allem mutig, loyal und hilfsbereit. Außerdem besitzt er einen sarkastischen Humor und reißt auch in brenzligen Situationen gerne mal Witze. Mich hat er sehr an Percy Jackson erinnert: typische Heldenfiguren mit einem Hang zur Ironie. Wenn man das sehr kritisch betrachten möchte, sind die beiden sich vielleicht sogar etwas zu ähnlich. Der wichtigste Unterschied ist jedoch, dass Percy insgesamt etwas kämpferischer und temperamentvoller. Magnus hingegen wirkt nachdenklicher und ruhiger. Außerdem betrachtet er sich nicht als geborenen Kämpfer, während Percy darin deutlich begabter ist. Dafür hat Magnus Fähigkeiten, von denen Percy wohl nur träumen könnte. Magnus hat Heilkräfte und kann damit seine und die Wunden Verbündeter schließen. Zudem ist er als Sohn des Frey widerstandsfähig gegen extreme Hitze und Kälte sowie allgemein deutlich robuster als normale Menschen. Ich persönlich finde, das Magnus jetzt schon einer meiner Lieblingshelden Riordans ist.
Der Schreibstil ist leicht verständlich, direkt und lebendig. Typisch für Riordan nutzt er eine jugendliche, lockere und witzige Sprache, die einen starken Kontrast zur alten nordischen Mythologie bietet, sodass manche Dialoge einfach nur witzig sind. Das Tempo ist wie immer zügig und die Handlungsorte so abwechslungsreich, dass einem fast schon schwindelig wird. Es gibt zahlreiche Actionszenen, in denen sich Magnus mit Riesen und anderen Sagengestalten prügelt. Dabei entsteht die Spannung nicht nur durch die Kampfszenen, sondern auch durch die Rätsel, mit denen er konfrontiert wird. Die Atmosphäre ist eine Mischung aus geheimnisvoll, abenteuerlich und humorvoll, so wie man es schon von Percy Jackson gewohnt ist. Selbstverständlich gibt es dabei zahlreiche Verweise auf Percy Jackson, wie bspw. dass Magnus der Cousin von Annabeth Chase ist oder dass Magnus die Farbe Blau nicht besonders mag (was Percys absolute Lieblingsfarbe ist). Kurzum, stilistisch nichts Neues, aber es funktioniert. Wer Rick Riordan bestellt, bekommt Rick Riordan!
Während der Lektüre habe ich überwiegend das Hörbuch, gelesen von Nicolas Artajo genutzt. Es wird sehr kurzweilig gelesen, allerdings ist es auch gekürzt, sodass das ohnehin schon schnelle Tempo noch rasanter wirkt, was auf Dauer anstrengend werden kann. Leider fallen dadurch auch manche guten Gags weg, z.B. dass Magnus darüber scherzt, wie lächerlich die Idee eines Kugelschreiber-Schwerts sei, was natürlich eine Anspielung auf Percy Jackson ist. Dennoch kann ich das Hörbuch empfehlen und es hat mir definitiv geholfen, dieses Buch förmlich zu inhalieren und pro Tag mal eben 100 Seiten zu schaffen.
Das Finale wird zügig abgehandelt, aber am Ende musste ich dann doch noch mal ein Tränchen verdrücken. Es gibt keinen unnötigen Cliffhanger, aber natürlich wird angedeutet, dass das Abenteuer für Magnus gerade erst begonnen hat. Zum Abschluss möchte ich noch kurz die Frage beantworten, ob man Magnus Chase unabhängig von den anderen Reihen Riordans lesen kann: Ja, größtenteils lässt sich Magnus Chase unabhängig von den anderen Reihen lesen, da hier die nordische Mythologie im Fokus steht und nur zwischendurch angedeutet wird, dass es noch andere Götter gibt. Allerdings versteht man dann nicht die Verweise auf Percy Jackson. Wenn Annabeth Chase zu Magnus sagt, dass sie einen Ort kennt, an dem er in Sicherheit ist, verstehen eben nur diejenigen, die Percy Jackson gelesen haben, dass damit Camp Halfblood gemeint ist. Ein Kapitel heißt sogar „Hearthstone kippt noch dramatischer um als Jason Grace (auch wenn ich keine Ahnung habe, wer das sein soll)“. Fans von Riordan wissen aber, dass Jason einer der Protagonisten von Helden des Olymp ist. Deswegen empfehle ich, bestenfalls zuerst Percy Jackson und danach Helden des Olymp zu lesen, bevor man zu Magnus Chase greift. Die Kane-Chroniken sind hier aber wirklich optional.
Fazit
„Magnus Chase – Das Schwert des Sommers“ ist für mich ein weiterer gelungener Auftakt aus Rick Riordans Feder. Sowohl in Bezug auf Magnus‘ Persönlichkeit als auch auf den Plot sind klare Parallelen zu Percy Jackson erkennbar, aber trotzdem (oder gerade deswegen) ist dieses Urban Fantasy-Jugendbuch ein spaßiges Abenteuer. Magnus ist ein cooler Protagonist, der Humor funktioniert gut und auch die nordische Mythologie finde ich sehr spannend. Trotzdem fehlt der Geschichte leider ein Stück Eigenständigkeit und man spürt, dass diese Reihe auch vom Erfolg Percy Jacksons lebt. Deswegen ist das Buch aus dem Jahr 2016 sehr gut, aber leider kein Highlight. Daher bekommt es vier von fünf Federn von mir. Ich bin schon sehr gespannt auf den zweiten Band „Der Hammer des Thor“, und werde wahrscheinlich heute Abend schon damit anfangen.

Ihr braucht eine Zweitmeinung? Lea von „Liberiarium“ hat ebenfalls eine lesenswerte Rezension über dieses Buch geschrieben:
Liberiarium: Magnus Chase 1