City of Ashes

City of Ashes
25. Mai 2020 0 Von lara

Von Nephilim und Stelen

Meine zweite Mai-Rezension 2020

„City of Ashes“ ist der zweite Band der Chroniken der Unterwelt von Cassandra Clare. Neben der Verfilmung gibt es dazu auch eine Netflix-Serie namens „Shadowhunters“. Sie wurde von 2016-2019 produziert und nach drei Staffeln mangels finanziellen Erfolgs abgesetzt. Die Hauptrollen wurden von Katherine McNamara und Dominic Sherwood übernommen. Während die Verfilmung nur den ersten Band „City of Bones“ thematisiert, geht die Handlung in der Serie etwa bis zum dritten Band. Insgesamt erhielt die Serie aber deutlich bessere Kritiken. So erhielt sie bei „Rotten Tomatoes“ eine Rate von 76%, während der Film bittere 14% bekam. „City of Ashes“ erschien 2008 auf Deutsch und ist dem Urban Fantasy zuzuordnen.

Inhalt

Nachdem ihre Wohnung von Dämonen zerstört wurde und ihre Mutter im Koma liegt, lebt die inzwischen 16-jährige Clarissa Fray, kurz Clary, beim Freund ihrer Mutter Luke Garroway, der Anführer eines Werwolfrudels ist. Seitdem sie erfahren hat, dass Jace Wayland, in den sie sich verliebt hat, eigentlich Jonathan Morgenstern heißt und ihr leiblicher Bruder ist, hat sie großen Liebeskummer. Sie versucht sich deswegen mit ihrem besten Freund Simon zu trösten, doch trotzdem will ihr Jace nicht aus dem Kopf gehen. Außerdem treibt ihr leiblicher Vater, Valentin Morgenstern weiterhin sein Unwesen. Seinem Ziel, die Herrschaft über die Schattenwelt zu erlangen, kommt er immer näher und auf dem Weg dahin muss Blut vergossen werden.

Cover

Die Grundstruktur der Cover bleibt erhalten: links und rechts stehen Säulen, in der Mitte ist ein runder Ausschnitt New Yorks mit Goldrahmen. Der Grundton hier ist rot. An den unteren Seiten sind jeweils verschiedene Statuen, wovon die größeren an Raben erinnern und die kleineren darunter an Kuhköpfe. In dem Ausschnitt ist die Brooklyn Bridge zu erkennen, die über den East River führt. Diese wird von Krähen umschwärmt. Allerdings handelt es sich bei diesem Cover um die ältere Version.
Auf dem neuen Cover ist eine junge Frau mit wehendem roten Haar zu sehen, offensichtlich Clary, die schwarze Kleidung trägt. Sie sitzt auf dem Boden und stützt sich mit ihrem linken Arm auf. Auf ihrer Haut an Armen und am Hals sind Runen sichtbar, die typisch für Schattenjäger sind. In der rechten Hand hält Clary eine Stele, ein magisches Werkzeug vergleichbar mit einem Zauberstab, dessen Spitze aufleuchtet. Mir persönlich gefallen die alten Cover deutlich besser.

Kritik

Wieder einmal ist das Jugendbuch in drei Teile, ähnlich wie bei griechischen Tragödien, unterteilt. Dieses Mal wird es jedoch nicht nur von einem Epilog, sondern auch von einem Prolog umrahmt. Davor findet sich aber noch ein Zitat aus „Diese bittere Sprache“ von Elka Cloke. Cloke selber hat literarisch keinen nennenswerten Stellenwert, da Clare sie aber schon in den „Chroniken der Schattenjäger“ zitiert hat, ist davon auszugehen, dass die beiden sich entweder persönlich kennen oder Clare Clokes Bekanntheitsgrad steigern will. Normalerweise verwenden Autoren bei Zitaten ja gerne mal Weltliteratur, um ihren Werk einen bedeutungsvolleren Anstrich zu verpassen, hier ist es mal umgekehrt.
„Die gewaltige Konstruktion aus Glas und Stahl an der Front Street ragte wie eine glitzernde Nadel in den Himmel – das Metropole, das exklusivste Apartmenthaus in Manhattan.“, ist der erste Satz des Prologs. Dieser Satz ist relativ lang dafür, dass er lediglich den Handlungsort der Szene preisgibt. Es gibt auf jeden Fall galantere Einführungssätze. Die Geschichte wird weiterhin im Präteritum aus der Sicht wechselnder personaler Erzähler beschrieben. Darunter sind auch Nebencharaktere mit einmaligen Auftritten als Erzähler, aber auch mehrmalige Auftritte, beispielsweise von Simon Lewis, Clarys bestem Freund. Primär erzählt hier aber weiterhin Clary selbst die Geschichte. Die Handlung setzt etwa eine Woche nach Ende des ersten Bands ein. Mit über 450 Seiten ist „City of Ashes“ kürzer als sein Vorgänger.
Bereits bei „City of Bones“ hatte ich mich über stereotype Charaktere und Klischees ausgelassen. Hatte ich anfangs noch eine neutrale Haltung Clary gegenüber, fällt sie mir inzwischen zunehmend negativ auf. Das liegt an einer Mischung aus einem neu aufkeimenden Klischee und Clarys Umgang damit. Das ultimative Klischee bei Jugendbüchern: Die Dreiecksbeziehung. Egal ob die Bis(s)-Reihe, Die Tribute von Panem, Cassia & Ky, die Göttlich-Trilogie, die Furien-Trilogie, die Amor-Trilogie, die Gaia Stone-Trilogie oder auch Clares „Chroniken der Schattenjäger“, gefühlt kommt kaum eine Jugendbuchreihe mehr ohne sie zurecht. Immer schwankt die Protagonistin bei der Wahl ihres Angebeteten zwischen zwei, selten sogar drei jungen Männern. Das absolute Kryptonit ist aber, wenn es völlig vorhersehbar ist, für wen sich die Protagonistin entscheiden wird, was hier ebenfalls der Fall ist. Für Clary ist Simon nur ein Trostpflaster, nachdem sie erfahren hat, dass Jace ihr Bruder ist. Dass Clary jetzt stattdessen ersatzweise an Simons Lippen klebt, macht sie extrem unsympathisch. Bereits bei den „Chroniken der Schattenjäger“ hatte ich diese Ambivalenz bei der dortigen Protagonistin Tessa stark kritisiert. Nun ist Clary genauso ein leichtes Mädchen. Wenn in den Kussszenen beschrieben wird, dass Clary bei Simon ein wohliges Gefühl hat, ihre Emotionen bei Jace dagegen wie ein Feuerwerk explodieren, ist auch klar, für wen ihr Herz eigentlich schlägt und worauf die Liebesgeschichte hinausläuft. Ich bin mir absolut sicher, dass sich in den Folgebänden noch herausstellen wird, dass Clary und Jace doch keine Geschwister sind und dann ist das Ersatzmodell Simon schnell vergessen. Ein bisschen mehr Raffinesse und Ausgereiftheit hätte ich mir bei Clare durchaus gewünscht.
Zu den wichtigsten Charakteren zählt unter anderem Simon Lewis, Clarys bester Freund seit Kindheitstagen. Er hat schwarze Haare, dunkelbraune Augen und trägt eine Brille. Seine Mutter heißt Elaine und er hat eine Schwester namens Rebecca. Er ist intelligent und humorvoll, aber auch nerdig und tollpatschig. Er ist schon lange in Clary verliebt, hat ihr aber lange nichts davon erzählt. Von Clary erhält er anfangs einen Korb, später sind sie aber doch ein Paar. Simon spielt außerdem mit Freunden in einer Band, deren Name sich ständig ändert, was in der Reihe ein kleiner Running Gag ist. Allerdings hat Simon auch ein dunkles Geheimnis, welches hier eine größere Rolle spielt, weswegen Simon in diesem Band besonders präsent ist. Ich persönlich mag seine nerdige Art, seine Leidenschaft für Musik und seinen Humor, finde ihn aber leider auch ein bisschen zu stereotyp gezeichnet.
Das Ende hat mir etwas besser gefallen als bei „City of Ashes“. Der Weg hin bis zum Showdown war allerdings recht vorhersehbar. Es mangelt wie immer nicht an Kampfszenen und Blutvergießen, wobei man durchaus mal um das Leben mancher Nebencharaktere bangt.

Fazit

Insgesamt sehe ich keine großen Unterschiede zwischen „City of Bones“ und „City of Ashes“. Clare hat eine solide Urban Fantasywelt erschaffen, die für mich persönlich der bisher größte Pluspunkt der Reihe ist. Die Mankos, zu viel Teeniedrama, zu klischeehafte Dialoge und zu flache Charaktere, sind aber weiterhin vorhanden. In diesem Band hat mir das Finale besser gefallen, im Vorgänger war dagegen der Mittelteil spannender. Somit hält sich bei beiden ungefähr die Waage, aber eben nicht ganz. Habe ich „City of Bones“ noch knapp drei von fünf Federn gegeben und ein Auge zugedrückt, weil es Clares Debütroman war, möchte ich hier zwei Federn vergeben. Ich werde aber trotzdem dem dritten Band „City of Glass“ eine Chance geben, mich wieder mehr zu begeistern.