P.S. Ich liebe dich

P.S. Ich liebe dich

16. Januar 2020 0 Von lara

Holly und Gerry

Meine Januar-Rezension 2020

Etwa einmal im Jahr packt es mich und ich möchte einen Liebesroman lesen, ein Genre, das von mir ansonsten eher unberührt bleibt. Letztes Jahr war zwar kein Liebesroman dabei, dafür kommt er dieses Jahr direkt an erster Stelle. „P.S. Ich liebe dich“ von Cecelia Ahern gehört zu den absoluten Klassikern des Genres und zu den Lieblingsbüchern vieler begeisterter Leser. Außerdem wurde es erfolgreich mit Hilary Swank und Gerard Butler in den Hauptrollen verfilmt. Den Film hatte ich sogar schon zweimal gesehen und sehr gemocht, weshalb ich mich für dieses Buch aus dem Jahr 2004 entschieden habe.

Inhalt

Holly und Gerry Kennedy führen in Irlands Hauptstadt Dublin eine glückliche Ehe, bis bei Gerry ein bösartiger Hirntumor diagnostiziert wird und er wenige Monate später stirbt. Mit gerade einmal 29 Jahren ist Holly verwitwet, weiß nicht, wie sie ohne ihre große Liebe weiterleben soll und verfällt in Depressionen, aus denen weder Freunde noch Familie ihr wirklich helfen können. Doch dann findet sie bei ihren Eltern ein an sie adressiertes Päckchen mit zehn Briefumschlägen und einem Zettel. Dieses Päckchen ist von Gerry, der ihr jeden Monat des verbleibenden Jahres eine Aufgabe stellt, die sie bewältigen soll. Und der letzte Satz in jedem Brief lautet: „P.S. Ich liebe dich“.

Cover

Ein strahlend blauer Himmel mit weißen Federwolken. Minimalistisch, einfach, aber unverkennbar ein Liebesroman von Cecelia Ahern.

Kritik

„Holly drückte den blauen Baumwollpulli fest ans Gesicht.“, ist der erste Satz den ersten von insgesamt 38 Kapiteln und einem Epilog. Holly, die Protagonistin, die im Präteritum und von einem auktorialen Erzähler, der sich aber eher liest wie ein inkonsequenter personaler Erzähler, begleitet wird, ist 29 Jahre alt. Der blaue Pullover gehörte ihrem verstorbenen Mann, dessen Rest an Körpergeruch sie mit dieser Geste aufnehmen will.
Gerry ist zu Beginn des Romans bereits tot, der Leser lernt ihn nur in kleineren Rückblenden kennen. Der Film beginnt dagegen mit einer Szene, in der Holly und Gerry gemeinsam von einem Familientreffen nach Hause kommen und sich dabei streiten. Schnell wird hier klar, dass der Film und der Roman zwei fast völlig unterschiedliche Werke sind. Ihr Zuhause ist im Film eine beengte Wohnung in New York. Im Roman wohnen beide in Dublin in einem hübschen Haus mit Kamin und Garten. Hier sind Beide auch Iren, die sich in der Oberstufenzeit kennen und lieben gelernt haben. Im Film ist Holly US-Amerikanerin und Gerry Ire, den sie zufällig bei einer Studienreise dort trifft. Es gibt noch viele weitere Unterschiede, doch ich beschränke mich nur auf ein paar weitere. Im Film erhält Holly Gerrys ersten Brief per Post, die anderen werden ihr Monat für Monat auf alle möglichen Wege zugestellt, während sie im Buch sofort ein Päckchen mit einem Brief und zehn Umschlägen bekommt. Holly hat im Roman drei Brüder, die in den Filmen gar nicht existieren: Richard, Jack und Declan. Auch ihren gutmütigen Vater Frank gibt es in den Filmen nicht, denn er soll die Familie früh verlassen haben, wodurch die Mutter alleinerziehend war. Ihre Schwester Ciara ist im Film eher das blonde Lollipop-Girl mit einem 1950er-Jahre Petticoat, während sie im Buch mit schrill gefärbten Haaren, Tattoos und Piercings ein gänzlich anderes Bild abgibt. Holly selbst ist auch nicht brünett mit braunen Augen wie Hilary Swank, sondern blauäugig mit blondierten Haaren. Außerdem hat die Buch-Holly keine nennenswerte Hobbys, während die Film-Holly ein starkes Talent für Mode und Design hat. Dadurch, dass sie in der literarischen Vorlage ja bereits Irin ist, kann sie logischerweise auch nicht von Gerry posthum auf eine Reise dorthin geschickt werden. Stattdessen reist sie mit ihren Freundinnen nach Lanzarote. Doch was ist denn dann mit William, Gerrys irischem Jugendfreund, mit dem Holly im Film im Bett landet? Den gibt es im Roman schlicht und ergreifend nicht. Film und Buch könnten also gar nicht weiter auseinander liegen, sowohl bei den Handlungsorten, den Figuren und auch dem Plot selbst.
Genau da liegt für mich auch das Problem. Ich hatte mich auf einen Liebesroman gefreut, der das nie schlafende New York und das malerische Irland vereint, doch die Erwartungshaltung wurde komplett zerschlagen, wofür man aber natürlich nicht die Schuld bei der Vorlage suchen kann. Dennoch gab es beim Roman Unterschiede, die mir weniger gut gefallen haben, allen voran Hollys Charakter. Wie sie sich selbst eingesteht, hat sie keine Interessen außer Alkohol zu trinken und shoppen zu gehen. Ein ziemliches Armutszeugnis so profil- und charakterlos zu sein, auch wenn das hart klingen mag. Ich mochte die Film-Holly in ihren ausgefallenen und bunten Outfits mit interessanten Schnittmustern, während sie im Buch eher schlichte Kleidung trägt und mich allgemein eher gelangweilt hat oder mir mit ihrer Oberflächlichkeit sogar unsympathisch war.
Dass „P.S. Ich liebe dich“ Aherns Debütroman ist, merkt man ihr leider an. Der Schreibstil ist einfach, tendenziell schon plump mit seiner Onomatopoesie, wobei das eloquenteste Wort gerade einmal „Hypochonder“ ist. Es bleibt insgesamt sehr dialoglastig, Beschreibungen sind kaum vorhanden. Der Humor ist eindimensional, albern und überdreht und hat meinen Geschmack so gut wie immer verfehlt.
Kleiner Pluspunkt: Als Holly Gerrys Aufgabe übernimmt, an einem Karaoke-Wettbewerb teilzunehmen, singt sie dabei „With A Little Help From My Friends“ von den Beatles, was mir gut gefallen hat, da ich erstens ein großer Beatles-Fan bin und zweitens der Songtext perfekt gewählt ist, da es darum geht, durch die Unterstützung von Freunden schwierige Situationen zu meistern.
Emotional hat mich das Buch leider auch verhältnismäßig kalt gelassen. Bis auf ein Kapitel, in dem Gerry, von seiner Krankheit schon sehr ausgezehrt, in einer Rückblende auftaucht, haben mich die Szenen kaum berührt.
Das Ende ist, wie zu erwarten, ebenfalls anders als im Film, und zu meiner Enttäuschung auch weniger gut, beinahe nichtssagend. Rückblickend ist auf den knapp über 400 Seiten viel und wenig gleichermaßen passiert.

Fazit

2020 beginnt literarisch für mich mit einer kleinen Ernüchterung. „P.S. Ich liebe dich“ von Cecelia Ahern bleibt, verglichen mit dem Film, hinter meinen Erwartungen zurück. Zwar ist mir bewusst, dass es hier auch durchaus an der Reihenfolge liegt, denn hätte ich das Buch zuerst gelesen, wäre ich von der Verfilmung enttäuscht gewesen. Allerdings ändert das nichts am holprigen Erzählstil, dem schlichten Humor und Schreibstil und der fast schon ordinären Protagonistin. Der Liebesroman hat auch durchaus seine Lichtblicke, aber diese genügen nicht, um auf eine bessere Wertung als zwei von fünf Federn zu kommen. Da dies Aherns Debütroman ist, werde ich ihr vielleicht nächstes Jahr eine zweite Chance geben, mich zu begeistern.