Ein Buch, mit dem alles begann

Ein Buch, mit dem alles begann

8. Januar 2020 1 Von lara

Mein Faktastischer Januar 2020

Anlässlich der Bloggeraktion „Faktastisches 2020“, die „Our Favourite Books“ ins Leben gerufen hat, an der unter anderem auch ich teilnehme, werden jeden Monat in diesem Jahr Artikel über bestimmte Themen veröffentlicht, die wir uns gemeinsam ausgesucht haben. Wie das Jahr mit dem Monat Januar beginnt, lautet auch das erste Thema „Ein Buch, mit dem alles begann“. Ziemlich einfach, dachte ich zumindest anfangs, denn es bietet sehr viel Freiraum für einen umfangreichen Artikel. Doch dann kam ich ins Grübeln.

Was genau ist denn „alles“? Gemeint ist natürlich die Liebe zu Büchern, aber wo genau soll sie angefangen haben? Als Kind, als ich die ersten Bücher eigenständig vor dem Schlafen gehen gelesen habe? Oder als Teenager, als ich die ersten dickeren Wälzer regelrecht verschlungen habe? Ich denke, dass prinzipiell alle Bücher dazugehören können, die die persönliche Leselust dauerhaft verstärkt haben. Beim „Sunshine Blogger Award“ habe ich bereits zwei Buchreihen genannt, die meine Leidenschaft zur Literatur, allerdings zu verschiedenen Zeiten, geprägt haben: „Hexe Lilli“ von Knister und „Die Gilde der schwarzen Magier“ von Trudi Canavan. Deswegen habe ich mich dieses Mal für eine andere Buchreihe entschieden, die mich ebenfalls sehr beeinflusst hat und die meiner Meinung nach zu wenig Aufmerksamkeit bekommen hat.

Um zu verstehen, wie diese Buchreihe zu mir gefunden hat, mache ich eine kleine Zeitreise ins Jahr 2006. Damals war ich elf Jahre alt und mit meinen Eltern und meinem Onkel im Sommerurlaub im Frankenland. Zwar hatte ich ein Buch dabei, das ich aber dummerweise schon fast durchgelesen hatte, weshalb ich bereits nach drei Tagen des geplanten zweiwöchigen Urlaubs meinen Eltern mit meiner Langeweile ziemlich auf die Nerven ging. Also setzten sie mich am nächsten Tag ins Auto und fuhren mit mir ins nahegelegene Bayreuth, um dort eine Buchhandlung aufzusuchen. Die dort arbeitende Buchhändlerin war sehr freundlich und hilfsbereit. Sie hat sich Zeit für mich genommen und mir verschiedene Bücher gezeigt, die mir gefallen könnten. Dabei sprang mir ein Buch, das nebenbei auch der Tipp der Buchhändlerin war, sofort ins Auge. Ich wusste es damals nicht, aber mit der Wahl von „Die Kinder des Dschinn – Das Akhenaten Abenteuer“ von P. B. Kerr traf ich eine Entscheidung, die ich nicht bereuen würde.

In „Die Kinder des Dschinn – Das Akhenaten Abenteuer“ geht es um die zwölfjährigen Zwillinge John und Philippa Gaunt, die gemeinsam mit ihren wohlhabenden Eltern in New York leben und eine Privatschule besuchen. Sie wirken wie ganz normale Kinder, würden ihnen nicht plötzlich, für ihr Alter völlig ungewöhnlich, die Weisheitszähne gezogen werden müssen. Während der Narkose begegnet ihnen in einer Vision ihr Onkel Nimrod, an den sie sich nicht erinnern können, weil sein letzter Besuch kurz nach ihrer Geburt stattgefunden hat. Er erklärt ihnen, dass ihnen in Zukunft Dinge geschehen werden, die sie merkwürdig finden werden und dass sie ihn so schnell wie möglich in seinem Haus in London besuchen sollen, damit er ihnen alles in Ruhe erklären kann. Erst zweifeln die Zwillinge an der Echtheit ihres Traums, denn für sie ist es nicht selten dasselbe zu träumen. Doch dann merken sie, dass sie in kürzester Zeit mehrere Zentimeter gewachsen sind und dass um sie herum wirklich seltsame Dinge passieren. Deshalb entschließen sie sich nach London zu reisen und Nimrod zu besuchen, der sie bereits dort am Flughafen erwartet. Er offenbart den Beiden, dass sie Dschinn sind und lehrt sie, ihre magischen Kräfte zu nutzen.

„Die Kinder des Dschinn“ ist eine Urban Fantasy-Buchreihe für Jugendliche, die mit sieben Bänden abgeschlossen ist. Die Fortsetzungen des ersten Bandes heißen „Gefangen im Palast von Babylon“, „Das Rätsel der neunten Kobra“, „Entführt ins Königreich der Dongxi“, „Das dunkle Erbe der Inka“, „Der Spion im Himalaya“ und „Die Kristalle des Khan“. Allerdings habe ich nur bis zum einschließlich vierten Band die Buchreihe verfolgt, da ich mit der Zeit einfach aus der Zielgruppe heraus gewachsen bin. Dafür habe ich, für mich sehr ungewöhnlich, die ersten beiden Bände sogar zweimal gelesen. Die Welt der Dschinn ist eng mit der Schöpfungsgeschichte verbunden. Neben Engeln soll Gott nämlich auch die Dschinn erschaffen haben. Er soll die Engel aus Licht, denn sie sollten vom Himmel aus die Erde beobachten, und die Dschinn aus Feuer gemacht haben, deren Aufgabe es sei, den Menschen Glück und Wärme zu bringen. Doch weder alle Engel, noch alle Dschinn sind deshalb gut. Es gibt gefallene Engel und böse Dschinnstämme, wie die Ifrit, die Ghul und die Shaitan. Insgesamt gibt es sechs Dschinnstämme, von denen die drei anderen, die Marid, die Jinn und die Jann, gut sind. In ständiger Konkurrenz halten die sechs Stämme ein Gleichgewicht zwischen Gut und Böse, das als Homöostasis bezeichnet wird und das nie aus der Balance geraten darf. Um die Kraft forciert einzusetzen, hat jeder Dschinn ein individuelles Losungswort, das man sich am Anfang seiner Ausbildung aussucht. Wichtig ist, dass es nicht zum Alltagsvokabular gehört, damit es nicht zufällig ausgesprochen unwillkürliche Zauber loslässt. So ist beispielsweise Nimrods sogenanntes Fokuswort „QWERTZUIOP“, was der oberen Buchstabenreihe einer Tastatur entspricht, während das von John „ABECEDARIAN“ lautet, was eine Anlehnung an den Anfang des Alphabets ist. Weitere gängige Fokusworte seien übrigens „ABRAKADABRA“, „ALAKAZAM“ oder „SESAMÖFFNEDICH“, was Anspielungen auf Zauberei und dem Orient sind.

Warum mich diese Bücher als Kind so begeistern konnten, hat mehrere Gründe, von denen mir einige erst als Jugendliche richtig bewusst wurden. Erst einmal, fand ich ein Zwillingspaar als Protagonisten richtig großartig. Bei „Hanni und Nanni“ oder „Das doppelte Lottchen“ gab es das zwar auch schon, aber hier sind es zweieiige Zwillinge unterschiedlichen Geschlechts. Damit bieten sie gleichermaßen Identifikationsfiguren für Jungen und Mädchen. Auch wenn die Beiden sehr unterschiedlich sind und verschiedene Stärken und Schwächen haben, ergänzen sie sich gegenseitig, ohne den Anderen zu übertrumpfen. Sie sind schlicht und einfach gleichwertig ohne identisch zu sein. Außerdem unternehmen die Beiden bei ihren Abenteuer Reisen in verschiedene Länder und lernen dort etwas über ihre Historie und Kultur kennen. „Die Kinder des Dschinn“ fördert also auf unterhaltsam exotische Weise die Allgemeinbildung. Zudem enthält die Kinderbuchreihe die bemerkenswerte Lehre, dass man Gutes und Böses gleichermaßen auf dieser Welt findet und dass das Eine nie über das Andere triumphieren wird, man sich aber aus freiem Willen stets auf die gute Seite stellen sollte. Zu guter Letzt, und das sollte eigentlich das Ausschlaggebende sein, sind die Bücher einfach unglaublich spannend und haben mich damals gefesselt, sodass sich meine Lesestunden teilweise verdoppelt haben und sogar allgemein meine Bücherliebe verstärkt haben.

Zwar sind „Die Kinder des Dschinn“ vergleichbar mit ähnlichen Fantasy-Jugendbüchern wie „Harry Potter“ oder „Percy Jackson“, aber John und Philippa Gaunt haben ihren ganz eigenen Charme. Und eventuell hat ja schon Joanne K. Rowling ihnen Tribut gezollt, indem sie in ihre Saga auch den Familiennamen Gaunt eingefügt hat? Jedenfalls hat Stephen Spielberg nicht nur bei den ersten Harry Potter-Filmen Regie geführt, sondern sich auch an dieser Reihe die Filmrechte erkauft, die allerdings nie filmisch umgesetzt wurden. Der Autor Philip Kerr ist vor zwei Jahren leider verstorben, seine Bücher werden seinen Fans aber immer in Erinnerung bleiben.