Harry Potter und die Kammer des Schreckens


Harry Potter und die Kammer des Schreckens
17. September 2019 0 Von lara

Zurück nach Hogwarts

Meine dritte September-Rezension 2019

Mit „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ habe ich den zweiten Teil der Harry Potter-Saga gelesen. Das Urban Fantasy-Jugendbuch erschien 1999 auf Deutsch, ich habe aber auch wie beim Vorgänger die illustrierte Schmuckausgabe aus dem Jahr 2016 gelesen. Die deutsche Titelübersetzung ist lustigerweise recht dramatisch, heißt der Originaltitel wörtlich übersetzt vielmehr „Harry Potter und die Kammer der Geheimnisse“. Alle sieben Bände von Harry Potter wurden übrigens auch verfilmt. Der letzte Teil wurde in zwei Spielfilme aufgeteilt, obwohl dieser nicht einmal die längste Buchvorlage ist. Die Verfilmung von „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ fällt in Deutschland unter FSK 6, im Gegensatz zu allen anderen europäischen Ländern, in denen der Film erst ab 12 Jahren freigegeben ist. Dafür wurden aber auch etwas brutalere Szenen herausgeschnitten, was unter deutschen Fans für Beschwerden gesorgt hat.

Inhalt

Am 31. Juli 1992 feiert der Zauberschüler Harry Potter seinen zwölften Geburtstag bei seinen Verwandten, den Dursleys, obwohl Feiern nicht ganz treffend ist, da seine Tante und sein Onkel ihm nicht einmal gratulieren. Auch von seinen Freunden Ron und Hermine erhält er keine Briefe. Als der Hauself Dobby eines Abends plötzlich in seinem kleinen Zimmer auftaucht und versucht Harry von der Rückkehr nach Hogwarts abzuhalten, erfahren die Dursleys, dass er außerhalb der Zauberschule gar nicht hexen darf und sperren ihn in seinem Zimmer ein. Zum Glück kommt Ron mit seinen Brüdern Fred und George in einem fliegenden Auto, um Harry zu befreien. Doch Dobbys Warnung, in Hogwarts erwarte Harry eine lebensbedrohliche Gefahr, will ihm nicht mehr aus dem Kopf gehen.

Cover

Jim Kay war eindeutig die perfekte Wahl für die Illustration der Harry Potter-Saga. Auch dieses Cover ist wieder wunderschön, liebevoll und detailreich gestaltet. Zu sehen ist die Szene aus dem dritten Kapitel, in dem Fred Weasley George, Ron und Harry zum Fuchsbau, dem Haus der Familie Weasley, fliegt. Dabei sitzen sie in einem hellblauen Auto, das im Buch übrigens türkisgrün ist und das fliegen kann, weil der Vater Arthur Wealey es verzaubert hat. Harry schaut aus dem Fahrerfenster des Zweitürers , in England herrscht ja Linksverkehr, direkt zum Betrachter und legt dabei seine rechte Hand auf die Innenseite des hinteren Fenster. Fred fliegt das Auto, während George und Ron auf der Rückbank sitzen. Aus dem Beifahrerfenster weht ein rotgelb gestreifter Schal, der vermutlich zum Haus Gryffindor gehört. Auf dem Nummernschild des Auto steht HOW 782D. Im Hintergrund sieht man einen frühmorgendlichen Himmel, darunter Wiesen und Bäume. Unten links steht eine kleine Hütte mit einem großen Tor, die offensichtlich die Garage ist. Rechts steht der Fuchsbau, der aussieht, wie mehrere aufeinander gestapelte Häuser. Auf dem Hof davor erkennt man bei genauerer Betrachtung drei unterschiedlich farbige Hühner, die auch im Buch kurz erwähnt werden und eine weitere Hütte, die wahrscheinlich der Hühnerstall ist. Außerdem ziehen drei Schwalben durch den Himmel, die seit dem Mittelalter als Glücksbringer und Hoffnungsboten bekannt sind.

Kritik

„Im Ligusterweg Nummer 4 war mal wieder bereits beim Frühstück Streit ausgebrochen.“, ist der erste Satz des ersten Kapitels. Die Erwähnung des Ligusterwegs gab es schon im Einleitungssatz des Vorgängers und schlägt somit eine Brücke zwischen beiden Werken. Die Geschichte setzt auch wieder Ende Juli ein, denn jedes Buch der Harry Potter-Saga umfasst ein Schuljahr. Noch sind jedoch Sommerferien in England.
Die Geschichte ist weiterhin aus der Perspektive des auktorialen Erzählers und im Präteritum verfasst. Mit über 250 Seiten ist diese Schmuckausgabe ein wenig länger als der Vorgänger. Auch dieses Mal gibt es unzählige Illustrationen von Jim Kay in unterschiedlichen Größen, wie zum Beispiel die Doppelseiten ohne Text. Was auffällt: Hier sind mehr Seiten in Schwarz mit weißer Schrift, zwar nur ein geringer Teil, aber mindestens doppelt so viele wie noch in „Harry Potter und der Stein der Weisen“. Die Illustrationen hauchen dem Plot noch mehr Leben ein und machen die Ausgabe schon alleine deshalb zu etwas ganz besonders wertvollem Leseabenteuer. Mein Favorit ist übrigens die Illustration von „Skele-gro“.
Der inzwischen zwölfjährige Harry Potter ist der weltberühmte Protagonist. Er ist recht dünn, was vor allem daran liegt, dass die Dursleys ihm nicht genug zu Essen geben. Seine schwarzen Haare sollen so störrisch sein wie die seines Vaters. Die grünen Augen soll Harry von seiner Mutter haben. Seine markantesten Merkmale sind allerdings die runde Brille, die am Steg geklebt wurde, weil Harrys Cousin Dudley sie schon kaputt gemacht hat und die Narbe auf seiner Stirn in Form eines Blitzes, die ihm als Baby vom dunklen Zauberer Voldemort beim Versuch ihn zu töten zugefügt wurde. Diese Narbe fängt in Situationen, in denen Voldemort in der Nähe ist, an zu schmerzen. Charakterlich ist Harry etwas anders als in den Filmen. Dort ist er ein netter, zurückhaltender, schon beinahe schüchterner Junge, während er sich in den Büchern häufiger mal traut, sich verbal zur Wehr zu setzen und insgesamt schon etwas frecher wirkt. Ich kann mir vorstellen, dass der Film-Harry etwas glatter dargestellt wurde, um dem durchschnittlichen Kinogänger nicht zu vorlaut zu erscheinen.
Es ist bekannt, dass die Harry Potter-Saga mit ihrem Protagonisten und auch mit ihren Lesern reift. Nicht nur, dass die Illustrationen minimal zwielichtiger scheinen, auch der Weg nach Hogwarts weist Harry kleinere Stolpersteine auf, so verläuft er sich versehentlich in der verruchten Nocturngasse und lernt am Rande die Schattenseiten der Magie kennen. Das findet sich auch im Umgang mit dem Hauselfen Dobby, der unter grausamen Umständen als Sklave arbeiten muss und als Individuum völlig unterdrückt wird. Außerdem wird Hermine von Draco Malfoy zutiefst beleidigt, weil ihre Eltern Muggel sind und sie in seinen Augen nicht reinblütig sei. Dies ist eine ganz klare Darstellung von Rassenideologie, die geschichtlich ihren Höhepunkt im Dritten Reich hatte. Draco als Harrys Schulrivale beweist, dass dieses Gedankengut auch in der magischen Welt vorhanden ist. Die Moral ist natürlich, dass man sich immer gegen jede Form von Rassismus entschieden stellen sollte. Dieser Aspekt hat mir außerordentlich gut gefallen. Ich liebe clevere Sozialkritik in Fantasywerken einfach.
Eine Stelle, die mich doch etwas irritierte, war im Kapitel „Aragog“, als Harry mit Ron und Fang durch den Verbotenen Wald streift und dort auf eine Horde Spinnen trifft. Eine davon „hatte sechs ungeheuer lange, haarige Beine“. Moment, sechs? Spinnen haben doch acht Beine, wie es später auch erwähnt wird. Warum dieser einen Spinne also zwei Beine fehlen, ist mir schleierhaft.
Das Ende kannte ich durch den Film zwar schon, es hat mich aber nichtsdestotrotz begeistert. Besonders der Dialog zwischen Harry und Dumbledore hat mein Herz erwärmt.

Fazit

Wieder ist Joanne K. Rowling mit Jim Kay ein eindrucksvolles Kunstwerk gelungen. Die großen und kleinen Passagen machen durch die Bank Spaß zu lesen und ich habe es wieder sehr genossen, wenn auch ein kleines bisschen weniger als beim Vorgänger, der mich noch etwas mehr verzaubert hat. „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ ist trotzdem ein wunderbares Urban Fantasy-Jugendbuch und eine tolle Fortsetzung, der ich vier von fünf Federn gebe. Als nächstes werde ich mich selbstverständlich dem dritten Band „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ widmen.