Percy Jackson – Die letzte Göttin


Percy Jackson – Die letzte Göttin
22. März 2019 0 Von lara

Tag der großen Prophezeiung

Meine zweite März-Rezension 2019

Endlich ist es soweit! Mit „Percy Jackson – Die letzte Göttin“ halte ich den letzten Band der Jugendbuchreihe in den Händen. In einem Handlungszeitraum von vier Jahren konnte der Leser den Protagonisten Percy bei seinen Abenteuern begleiten. Nun, da die Pentalogie ihr Finale erreicht, erwartet Percy die größte Schlacht seines Lebens, die nicht nur für ihn und seine Freunde lebensgefährlich ist, sondern auch über das Schicksal der Götter, Titanen und der Menschheit entscheidet. Mit einer großen Erwartungshaltung machte ich mich also an Rick Riordans Werk aus dem Jahr 2009.

Inhalt

Es ist eine Woche vor Percy Jacksons 16. Geburtstag, dem Tag, an dem sich die große Prophezeiung erfüllen soll. Für Percy und seine Halbblut-Freunde alles andere als ein Grund zum Feiern, denn der Titan Kronos ist aus dem Tartarus zurückgekehrt und schwört Rache am Olymp. Auch andere Titanen wie Okeanos ziehen in den Kampf gegen die Götter und machen unter anderem auch Poseidon, Percys Vater, schwer zu schaffen. Während die Olympier gegen den wiederauferstandenen Typhon kämpfen, versucht Percy zusammen mit Charles Beckendorf das Kreuzfahrtschiff „Prinzessin Andromeda“ zu zerstören, auf dem Kronos Richtung New York fährt. Ein Sieg für die Bewohner von Camp Half Blood Hill scheint unwahrscheinlich, zumal sie einen Spion in den eigenen Reihen haben.

Cover

Das mit Abstand düsterste Cover der Percy Jackson-Reihe. Erneut blickt ein bärtiger Gott in Frontalaufnahme auf Percy herab, der, dem Betrachter den Rücken zugewandt, über den Wolken auf dem Pegasus Blackjack sitzt, in seiner linken Hand sein Schwert Anaklysmos. Um Blackjacks Flügel flattern einzelne Federn. Bei der Gottheit bin ich mir auch dieses Mal nicht sicher, wer es ist, aber es könnte wieder Zeus sein, da er der Gott des Himmels ist. Das Cover wird von Schwarz und Weiß dominiert. Blackjack setzt mit seinen rot glühenden Augen aber noch Akzente. Dieses knallige Rot findet man auch in der Innenseite des Umschlags wieder. Einerseits reiht sich diese Illustration wunderbar in die Reihe ein, andererseits gelingt es ihr auch so herauszustechen, dass sie eindeutig als Cover des finalen Teils zu identifizieren ist. Mir gefällt jedes Cover der Reihe auf seine eigene Weise.

Kritik

Bevor es mit der Geschichte losgeht, ist zu Beginn eine Karte mit dem Titel „Schlachtplan von Manhattan“ zu sehen. Darauf eingezeichnet sind New Jersey, Manhattan und Brooklyn. Unten rechts ist ein Kompass mit einem Gladiatorenhelm zu sehen. Außerdem sind dort wichtige Handlungsorte abgebildet, zum Beispiel das Empire State Building mit dem Olymp, der Central Park, das Plaza Hotel oder Percys Wohnung. Bei „Das Lied von Eis und Feuer“ habe ich bereits einmal erwähnt, dass ich Karten liebe und da mache ich auch bei dieser recht minimalistischen Karte keine Ausnahme.
„Das Ende der Welt begann damit, dass ein Pegasus auf der Motorhaube meines Wagens landete.“, ist der erste Satz des ersten Kapitels und verbindet bereits Urban Fantasy mit Percys lockeren, ironischen Erzählweise aus der Ich-Perspektive im Präteritum. Und wie könnte man stärker verdeutlichen, dass es sich um den finalen Band der Reihe handelt, als ihn mit „Das Ende“ einzuleiten? Außerdem merkt der Leser spätestens daran, dass Percy inzwischen Auto fährt, dass er langsam aber sicher erwachsen wird. Tatsächlich taucht mit Percy auch eine kleine Liebesgeschichte auf, die allerdings im Plot eher zweitrangig ist. Percy kann sich nicht so richtig zwischen seiner langjährigen Halbblut-Freundin Annabeth und seiner neuen sterblichen Freundin Rachel entscheiden. Bei dem ganzen Hin und Her fällt auch der ein oder andere Kuss. Glücklicherweise bleibt es bei kurzen Schmatzern auf den Mund und artet nicht in eine große Romanze aus.
Mit exakt 450 Seiten und 23 Kapiteln ist „Die letzte Göttin“ der längste Teil der gesamten Pentalogie, was aber subjektiv nicht sonderlich auffällt, da dieser Band für mich den besten Schreibstil hat, den Riordan bisher geboten hat, auch wenn mir die Sprache nach wie vor noch ein wenig zu einfach ist. Jedoch meistert er den Spagat zwischen der düstersten und apokalyptischen Atmosphäre sowie den typischen Witzen, die man aus der Reihe gewohnt ist und die in ihrer Quantität und Qualität mindestens an „Im Bann des Zyklopen“ heranreichen. Das ist auch bei den Kapiteln bemerkbar, die Titel tragen wie „Ich setze meinen Hund voll vor einen Baum“ oder „Ich kaufe zwei neue Freunde“.
Ohne diese Freunde würde Percy einer von Beginn an verlorenen Schlacht gegenüber stehen. Neben Thalia, Annabeth und Grover ist auch der Zyklop Tyson dabei, allerdings bei der Verteidigung von Poseidons Palast. Tyson ist ein Sohn Poseidons und einer Nymphe. Damit ist er Percys Halbbruder. Seinen ersten Auftritt hat er im zweiten Band „Im Bann des Zyklopen“, wo er auf dem „Meriwether College Prep“ Percys Mitschüler in der siebten Klasse ist. Nach der griechischen Mythologie sind Zyklopen begabte Schmiede, weshalb Poseidon ihn auch dort einsetzt, um dort Waffen für den Krieg gegen die Titanen zu schmieden und zu reparieren. Außerdem hat er einen Bronzeschild für Percy angefertigt, auf dem ihre gemeinsamen Abenteuer zu sehen sind. Tyson ist nicht gerade der klügste Charakter, der mit so manchen stumpfsinnigen Kommentaren die Lacher auf seiner Seite hat. Dafür ist er sehr mitfühlend und mutig.
Bevor ich zum Ende komme, möchte ich noch einmal erwähnen, dass ich es grundsätzlich toll fand, dass Percy insofern nicht der typische Protagonist ist, als dass er kein Waise oder vernachlässigtes Kind ist, sondern gewissermaßen ein Scheidungskind. Anfangs wusste er kaum etwas über seinen Vater und musste sich von seinem fiesen Stiefvater Gabe tyrannisieren lassen. Später lernt er dessen Nachfolger Paul Blofis kennen, in dem Percy sogar einen zweiten Vater findet. Trotz dieser Schwierigkeiten hatte er stets eine liebevolle Mutter, die ihn immer unterstützt hat. Mit einem Scheidungskind können sich deutlich mehr Leser der Zielgruppe identifizieren als mit einem Waisen.
Die Erwartungshaltung an einen letzten Band einer Reihe ist eigentlich immer hoch. Wenn regelmäßig Kämpfe darin vorkommen, erwartet man auch eine Schlacht, die alles Vorherige in den Schatten stellt. Das erfüllt „Die letzte Göttin“ absolut. Es gibt viele mittelgroße Kampfszenen, die an den trojanischen Krieg angelehnt sind und die zusammen ein großes Finale bilden, wobei das allerletzte Gefecht natürlich das größte ist. Über fehlende Action kann man sich also absolut nicht beschweren. Was mich jedoch etwas gestört hat, sind tatsächlich die enorme Überzahl an Gegnern, die Percy augenscheinlich mit Leichtigkeit niedermetzelt, bis auf ein paar härtere Brocken wie beispielsweise Titanen. Nach dem dritten Kampf dieser Art ist das Ganze dann einfach zu monoton und der Leser stumpft ab. Was anfangs noch bedrohlich wirkt, wird mit später mit einem Achselzucken abgetan. Der letzte Kampf ist dann aber noch einmal enorm bombastisch und Einige müssen anschließend zu Grabe getragen werden. Nach der Geschichte erwartet den Leser noch ein sehr nützliches Glossar, das das Wissen über griechische Mythologie aufbessert.
Wer momentan aus zeitlichen nicht zum Lesen kommt, dem kann ich auch die dazugehörigen Hörbücher empfehlen, die von Marius Clarén gelesen werden, der auch die Synchronstimme von Tobey Maguire und Jake Gyllenhaal ist.

Fazit

Mit „Percy Jackson – Die letzte Göttin“ ist Rick Riordan ein wunderbarer Abschluss der Pentalogie gelungen. Die Kämpfe sind gigantisch und das Ende sogar etwas emotional. Zwar konnte es mich nur minimal überraschen, ich weiß aber jetzt schon, dass ich Percy und seine Freunde vermissen werde. Diese Jugendbuchreihe wird definitiv nicht meine letzte von Riordan sein. Wahrscheinlich werde ich nächstes Jahr mit den „Kane-Chroniken“ weitermachen. Es gibt zwar kleinere Mängel, insgesamt fand ich den letzten Band aber besser als den direkten Vorgänger, deshalb vergebe ich hier vier von fünf Federn.