Zehn Dinge, die Hogwarts Legacy hätte besser machen können

3. November 2026 0 Von lara

Booktalk November 2026


Als jahrelanger Potterhead dachte ich, dass es mal wieder Zeit für einen Beitrag über die Zaubererwelt ist. Im September habe ich zum zweiten Mal Hogwarts Legacy gespielt. Und so viel Spaß das Spiel in manchen Abschnitten macht, so viele Schwachpunkte gibt es auch. Es ist das beste Spiel aus dem Harry Potter-Universum, aber es hätte noch so viel besser sein können. Hogwarts Legacy 2 ist gerade in Arbeit. Ein Erscheinungsdatum gibt es bislang noch nicht. Solltet ihr den ersten Teil also schon gespielt haben, oder noch spielen wollen, sind hier zehn Dinge, die das Spiel hätte besser machen können. Dabei geht es sowohl um inhaltliche, als auch um technische Aspekte des Spiels.

1. Die Hauptfigur nicht zum „Auserwählten“ machen

Wenn ihr das Spiel startet, gestaltet ihr zunächst euren Avatar. Ihr gebt ihm einen Namen, ein Aussehen und ein Geschlecht. Dann beginnt ihr mit eurer Geschichte: Ihr seid 15 Jahre alt und erhaltet erst jetzt euren Hogwarts-Brief. Warum ihr vier Jahre zu spät eingeschult werdet? Weiß der Geier! Was mit eurer Familie ist? Auch keinen Plan! Von der werdet ihr niemals etwas hören. Scheinbar kennt ihr niemanden aus eurem alten Leben. Schon bald entdeckt ihr, dass ihr kein normaler Hogwarts-Schüler seid, sondern alte Magie wahrnehmen und beherrschen könnt, was selten und potenziell gefährlich ist. Abgesehen davon, dass es ziemlich merkwürdig ist, dass ausgerechnet solch eine mächtige Magie in Vergessenheit geraten sein soll, haben wir hier wieder diese Auserwählten-Geschichte, die einfach an den Haaren herbeigezogen wirkt. Harry Potter ist in dieser Welt bereits der Auserwählte. Dass der Spieler jetzt auch auserwählt ist, etwas mit dem unkreativen Namen „alte Magie“ sehen zu können, erscheint nur prätentiös. Schlimmer noch: Die Hauptquest über den Koboldaufstand, den man zusammen mit Professor Fig verhindern will und für die man alte Magie braucht, ist in den größten Teilen langweilig. Die Nebenmissionen mit Natsai Onai oder Sebastian Sallow sind im Vergleich viel spannender. Besonders die Chosen One-Trope fand ich deswegen sehr ausgelutscht. Wir Potterheads sind dankbar genug, dass wir Hogwarts besuchen dürfen, wir müssen nicht auf Anhieb die stärkste Hexe im Schloss sein. Alleine, dass die Hauptfigur kein halbes Jahr in Hogwarts ist, aber sich schon mit dem berüchtigtsten Schwarzmagier seiner Zeit, Victor Rookwood, duelliert, zeigt wie overpowered der Auserwählte ist.

2. Mehr Unterricht in Hogwarts zeigen

Etwas, womit Hogwarts Legacy ganz stark geworben hat, aber was dann überraschend kurz kommt, sind die Unterrichtsstunden. Ihr geht zwar in den Unterricht für Kräuterkunde, Zaubertränke, Verteidigung gegen die dunklen Künste, Zauberkunst, Wahrsagen, Astronomie, Geschichte der Zauberei, Pflege magischer Geschöpfe und Flugstunden, allerdings hat man keines der Fächer mehr als zwei Mal. Stattdessen ist man mit Spezialaufgaben für Professoren beschäftigt, damit man neue Zauber lernen kann. Warum ich aber plötzlich Zauber in Kräuterkunde oder Zaubertränke lerne, verstehe ich nicht. Man hätte das einfach mehr mit den jeweiligen Fächern verbinden können. Schließlich ist es gerade der Schulalltag, der Hogwarts so besonders macht. Statt regelmäßig am Unterricht teilzunehmen, verbringt man als Spieler viel mehr Zeit mit anderen Dingen. Das lässt das Gefühl, tatsächlich Schüler zu sein, in den Hintergrund rücken. Ich hatte regelmäßig das Gefühl zu schwänzen. Gerade hier hätte das Spiel viel Potenzial gehabt, denn abwechslungsreiche Unterrichtsstunden mit kleinen Prüfungen, praktischen Übungen oder besonderen Ereignissen hätten die Spielwelt noch lebendiger gemacht. So bleibt der Unterricht leider eher eine kurze Einführung in die jeweiligen Fächer, anstatt ein fester Bestandteil des Schulalltags zu sein.

3. Die Bewegungen der NPCs organischer gestalten

Auf den ersten Blick wird Hogwarts geradezu belebt. Tagsüber sind überall Schüler, die durch die Korridore laufen. In der Bibliothek wird gelesen und in der Großen Halle gegessen. Manchmal gibt es sogar witzige Interaktionen mit anderen Schülern oder dem Poltergeist Peeves. Ihr könnt beim Vorbeigehen Schüler belauschen, wie sie über Professoren reden oder davon, ob sie schon die Hausaufgaben gemacht haben. Wenn man jedoch genauer hinsieht, dann bewegen sich die Schüler nicht organisch durchs Schloss. Es wäre doch super, wenn sie morgens aus ihren Gemeinschaftsräumen geströmt kämen! Die Ravenclaws steigen die Treppen des Turms hinunter, die Gryffindors klettern hinter dem Gemälde der fetten Dame hervor. Morgens gehen alle in die Große Halle zum Frühstücken, danach in die verschiedenen Unterrichtsräume, bevor sie nachmittags draußen oder in der Bibliothek sind. Stattdessen spawnen sie einfach vor euren Augen. Die Schüler scheinen keiner wirklichen Routine zu folgen, sondern sind einfach da, sobald ihr einen Raum betretet oder einen Korridor entlanglauft. Das fällt besonders auf, wenn man sich etwas länger an einem Ort aufhält und die NPCs beobachtet. Hinzu kommt, dass es scheinbar fast nur Schüler im selben Jahrgang mit der Hauptfigur gibt. Jüngere oder älter aussehende NPCs gibt es quasi nicht. Gerade weil Hogwarts selbst so detailreich gestaltet ist, fällt es umso mehr auf, dass die Bewohner nicht ganz mit dieser Welt mithalten können. Es ist ein schönes Schloss, das lebendig aussieht, sich aber nicht immer so anfühlt.

4. Das Spiel von Bugs befreien

Hogwarts Legacy ist 2023 erschienen, also vor über drei Jahren, und es ist immer noch mittelschwer verbuggt. Wenn man Begleiter wie Sebastian Sallow, Poppy Sweeting oder Professor Fig bei sich hat, bleiben sie an irgendwelchen Kanten hängen, drehen sich immer wieder im Kreis oder glitchen in Wände. Man kann ihnen dabei zusehen, wie sie sich völlig überfordert und unnatürlich durch die Spielwelt bewegen. Auch Gegner verhalten sich manchmal merkwürdig bis dämlich und Objekte drehen sich, wenn sie zwischen zwei Kanten hängen. Hierbei greifen der vorherige Punkt und dieser auch ineinander: Die Kombination aus unnatürlichen Bewegungen und der seltsamen Routine jener, die man länger beobachtet, reißen einen immer wieder aus der Immersion. Die Professoren haben allesamt Privaträume im Lehrerturm, in die man später einbrechen kann. Dennoch sind sie, egal zu welchem Zeitpunkt, immer in ihren Unterrichtsräumen. Auch mitten in der Nacht. Sie gehen immer wieder dieselben Routen ab. Ursprünglich haben die Synchronsprecher sogar Schnarchen vertont. Das heißt, dass man eigentlich die Professoren nachts schlafend in ihren Betten sehen sollte, wenn man in ihre Gemächer eindringt. Dagegen haben sich die Entwickler dann irgendwann entschieden, vielleicht wegen zu hohem Aufwand oder Zeitdruck. Ich hätte es aber amüsant gefunden, die Professoren im Pyjama zu sehen.

5. Weniger Missionen außerhalb von Hogwarts

Dieser Punkt bietet eigentlich das Gegenstück zum Wunsch nach mehr Unterricht. Hogwarts ist unglaublich liebevoll gestaltet mit vielen süßen Details und witzigen Interaktionen. Leider wird man im Spiel ständig auf Missionen geschickt, die in der Open World außerhalb des Schlosses liegen. Und diese Welt ist zwar groß, aber leider nicht sinnvoll gefüllt. Die Außenwelt wirkt oft uninspiriert und langweilig. Außerdem sind die Aktivitäten sehr repetitiv: Eine Prüfung Merlins, eine Höhle, ein Banditenlager, ein Tierwesen-Nest. Das wiederholt sich so oft, dass die Erkundung irgendwann weniger nach einem Abenteuer und mehr nach dem Abarbeiten einer Checkliste aussieht. Dabei scheint das Spiel regelrecht davon besessen zu sein, den Spieler ständig aus Hogwarts herauszuschicken. Die schiere Größe der Welt täuscht nicht darüber hinweg, dass es ihr an interessanten Inhalten fehlt. Manche Dörfer sehen zwar hübsch aus, bieten aber kaum einen Grund, sich länger dort aufzuhalten. Es gibt wenig, das einen wirklich überrascht oder eine eigene Geschichte erzählt. Stattdessen wird die Karte mit Sammelobjekten, Gegnergruppen und sich wiederholenden Rätseln gefüllt, als müsste jeder Winkel zwangsläufig eine Beschäftigung bieten. So opfert Hogwarts Legacy einen Teil seiner eigenen Identität (Hogwarts), um dem mittlerweile üblichen Open-World-Konzept hinterherzulaufen.

6. Die Unverzeihlichen Flüche weniger verzeihlich machen

Ich glaube, das ist der meistgenannte Punkt, den ich über dieses Spiel gelesen habe: Man hat die Wahl, ob man die drei Unverzeihlichen Flüche lernen will oder nicht. Und man kann sie anwenden. Sogar vor den Augen der Professoren, von denen einer ein Ex-Auror und die andere eine ehemalige Unsägliche ist. Die Reaktion? Ungefähr ein erhobener Zeigefinger und die Aussage, man soll das nicht noch einmal tun. Können Unverzeihliche Flüche in Hogwarts Legacy also bitte etwas weniger verzeihlich sein?
Die drei Flüche gelten in der Zaubererwelt als so schwerwiegend, dass ihre Anwendung eine lebenslange Haftstrafe in Askaban nach sich ziehen kann. Gerade die Entscheidung, ob man sich auf die dunkle Magie einlassen möchte, hätte eine spannende moralische Komponente sein können. Nur macht das Spiel aus dieser Entscheidung kaum etwas. Egal, ob man seine Gegner mit gewöhnlichen Zaubern besiegt oder sie mit dem Todesfluch sofort ausschaltet, das Spiel behandelt einen im Wesentlichen gleich. Es gibt kein ernsthaftes moralisches Dilemma, keine spürbaren Auswirkungen auf den Ruf und keine Konsequenzen, die einen zum Nachdenken bringen würden. Man wäre also schlichtweg dumm, diese Flüche nicht zu lernen und einzusetzen. Dabei hätte Hogwarts Legacy hier enormes erzählerisches Potenzial gehabt. Mitschüler hätten sich von einem distanzieren können, Professoren hätten einen bestrafen können oder das Verwenden dieser Flüche hätte den Handlungsverlauf verändern können. Stattdessen darf man sich als Schüler von Hogwarts durch die Gegend morden, ohne dass es nennenswerte Auswirkungen hat. Das passt weder zur Bedeutung der Unverzeihlichen Flüche noch zu der moralischen Schwere, die die Bücher und Filme ihnen zuschreiben.

7. Quidditch!

Schon zu Beginn der Eröffnungsfeier offenbart uns der Schulleiter Professor Black, dass es in dem Schuljahr keine Quidditch-Saison geben wird. Ich war mindestens so enttäuscht wie die anwesenden Schüler. Schon damals im Videospiel Harry Potter und der Stein der Weisen von Electronic Arts konnte man Quidditch spielen und den Schnatz mit einem Quicktime-Event fangen. Aber jetzt, wo Grafik und Steuerung viel mehr bieten würden, gibt es für uns keine Möglichkeit mehr, Quidditch zu spielen. Ja, man kann immer noch auf einem Besen fliegen, aber wie cool wäre es gewesen, wenn man die verschiedenen Positionen, wie Hüter, Treiber, Jäger und Sucher hätte ausprobieren können?
Gerade weil das Fliegen mit dem Besen bereits einen wichtigen Bestandteil des Spiels ausmacht, ist diese Entscheidung nur schwer nachzuvollziehen. Die grundlegenden Voraussetzungen sind schließlich vorhanden. Noch dazu hätte Quidditch eine hervorragende Möglichkeit geboten, den Schulalltag stärker in den Mittelpunkt zu rücken. Man hätte sich für eine Position qualifizieren, Tranings absolvieren oder Turniere bestreiten müssen. Und am Ende des Schuljahres könnte der Quidditch-Pokal verliehen werden. Stattdessen wird man mit langweiligen Besenrennen abgespeist. Dass ausgerechnet Quidditch fehlt, ist für mich eine der größten Enttäuschungen des Spiels.

8. Weniger repetitive Nebenmissionen!

Das überschneidet sich ein wenig mit Punkt 5, hat aber einen anderen Kern. Es gibt in Hogwarts Legacy jede Menge repetitiver Nebenaufgaben. Zum Beispiel existieren allein von den Merlin-Prüfungen 95 Stück. Das sind Umgebungsrätsel, die in der Open World extrem häufig auftauchen und immer aus ähnlichen Rätseln bestehen. Man muss Kugeln in eine Mulde bewegen, Statuen sprengen, einen vorgegebenen Weg klettern, Fackeln in einer richtigen Reihenfolge entzünden, Schmetterlinge mit Lumos zu einem Felsen führen, Kugeln auf eine Plattform ziehen oder Würfel in eine vorgegebene Position drehen. Mit der Zeit war das einfach nur noch nervig und langweilig. Auch die Demiguise-Monde, die man für die Alohomora-Quest braucht, sind überall in der Welt und können nur nachts eingesammelt werden. Es ist unnötig nervig, dass man für diese Objekte entweder später zurückkommen oder die Zeit weiterspulen muss, um sie mitnehmen zu können. Dasselbe gilt für die Astronomie-Quest mit den Sternenbildern, sie auch nur nachts gemacht werden kann. Außerdem hat mir persönlich die Quest mit den Tierwesen gar nicht gefallen. Wir stellen uns als Tierschützer hin, indem wir sie einfangen und züchten, damit sie nicht von Wilderern gefangen und gezüchtet werden? Dabei muss man sie immer nur fangen, füttern, streicheln und natürlich den Loot einsammeln. Die Zeit hätten sie lieber mal in das Entwickeln von Quidditch-Turnieren gesteckt.

9. Interagieren mit Möbelstücken ermöglichen

Gerade weil Hogwarts wirklich so wunderschön gestaltet ist, wie in keinem anderen Spiel, habe ich es einfach genossen, stundenlang durch die Korridore, Räume und Treppenhäuser zu laufen. Zwar kann man gelegentlich mit der Umwelt interagieren, z.B. Katzen streicheln oder Toiletten abspülen. Eine wirkliche Immersion fehlt aber, weil man hier viele Dinge nicht kann, z.B. sich in der Bibliothek auf einen Stuhl oder eine Bank setzen, sich in der Großen Halle zum Essen hinsetzen, ein Bad nehmen oder einfach nur ins eigene Bett legen. Das klingt vielleicht nach Kleinigkeiten, aber genau solche Interaktionen hätten für mich einen großen Unterschied gemacht. Wenn ich schon die Rolle einer Hogwarts-Schülerin übernehme, möchte ich mich auch wie eine fühlen. Ich möchte nach einem langen Tag durch die Gänge in meinen Gemeinschaftsraum zurückkehren, mich ans Kaminfeuer setzen oder mich in meinem Schlafsaal aufs Bett legen. Stattdessen bleibt man selbst in den liebevoll gestalteten Räumen meist nur ein Besucher, der sich umschaut und anschließend wieder verschwindet. Die Umgebung lädt einen dazu ein, sich darin aufzuhalten, aber das Spiel gibt einem kaum Möglichkeiten, das tatsächlich zu tun.

10. Ein Punktesystem für den Hauspokal einführen

Der letzte, aber nicht unwichtigste Aspekt ist für mich das Einführen eines Punktesystems für den Hauspokal. Schließlich gehört der Wettbewerb zwischen den vier Häusern zu Hogwarts dazu. Das Nutzen eines Unverzeihlichen Fluchs vor einem Professor hätte mindestens 50 Punkte Abzug bedeutet. Oder die richtige Antwort im Unterricht fünf Punkte. In der ersten Zaubertränke-Stunde gibt euch Professor Sharp den Schlüssel für sein Büro, aus dem ihr Zaubertrank-Zutaten holen sollt. Auf dem Weg dorthin werdet ihr von Garreth Weasley aufgehalten, der euch bittet, etwas für ihn aus Sharps Büro zu stehlen. Doch egal, ob ihr stehlt oder nicht: Es hat am Ende überhaupt keine Konsequenz! Dabei wäre hier der perfekte Moment gewesen, um sich Hauspunkte zu verdienen, oder welche abgezogen zu bekommen. Das Hauspunkte-System hätte Unterricht, Hausaufgaben und moralische Entscheidungen miteinander verbinden können. Stattdessen bekommt man auf der Abschlussfeier einmalig 100 Punkte und damit den Hauspokal an den Kopf geworfen. Schade, denn es wäre sicher spannender gewesen, hätte man sich den Pokal wirklich erarbeiten müssen.

Was würdet ihr an Hogwarts Legacy ändern, wenn ihr könntet? Schreibt es in die Kommentare!