Das Reich der sieben Höfe – Sterne und Schwerter

29. November 2025 0 Von lara

What the Fae!?

Meine November-Rezension 2025


So langsam neigt sich das Jahr 2025 dem Ende zu und ich muss mich etwas sputen, wenn ich mein Leseziel noch erreichen will. Nach einigen Wochen habe ich nun den dritten Band von Das Reich der sieben Höfe beendet. „Sterne und Schwerter“ galt lange Zeit als Abschluss einer Romantasy-Trilogie, inzwischen ist die Reihe aber um zwei Bände erweitert und ein sechster wurde von Sarah J. Maas angekündigt. Wann genau das Buch erscheinen soll, ist noch nicht bekannt. Vermutlich wird es aber 2026 so weit sein. Ich habe mich allerdings dazu entschieden, nach diesem Band nur noch den vierten zu lesen. Warum ich wohl kein Fan dieser Saga mehr werde, verrate ich euch gerne.

Inhalt

Die 20-jährige High Fae Feyre hat in Rhysand, dem High-Lord des Hofs der Nacht, ihren Seelengefährten gefunden. Um ihre Freunde aber nicht zu gefährden, willigt sie in Schloss Hybern ein, Tamlin zurück an den Frühlingshof zu begleiten. Dort gaukelt sie ihm vor, von Rhys gehirngewaschen worden zu sein. Obwohl es ihr zuwider ist, zeigt sie sich Tamlin gegenüber liebevoll und dankbar. Doch in Wahrheit ist sie eine Spionin, die Informationen über Hybern und dessen Verbündete sammelt. Feyre lässt sich damit auf ein gefährliches Doppelleben ein, denn Lucien scheint ihr zunehmend auf die Schliche zu kommen. Außerdem hat Feyre noch eine Rechnung mit der Hohepriesterin Ianthe offen, die ihre Schwestern an Hybern verraten hat. Doch dann tauchen High Fae-Zwillinge aus Hybern auf, die versuchen, in Feyres Geist einzudringen, und sie ist kurz davor aufzufliegen.

Cover

Erneut zeigt das Cover eine junge Frau, vermutlich Feyre, die auf einem wolkenartigen Hintergrund steht. Sie trägt ein voluminöses, fast schwarzes Kleid aus glänzendem Stoff, das sich um sie ausbreitet und lange Falten wirft. In ihrer rechten Hand hält sie einen Bogen, in ihrer linken Hand einen Pfeil. Ihr Blick ist nach hinten auf den Betrachter gerichtet, dabei fällt ihr langes, gelocktes Haar über den Rücken. Um sie herum fliegen vier Raben, während im Vordergrund zwei schwarze Federn schweben. Am oberen Rand funkeln vereinzelnd Sterne. Farblich bewegt sich das Cover zwischen Weiß, Grau und Schwarz mit einem Hauch Dunkelviolett. Die Stimmung ist gleichermaßen geheimnisvoll, romantisch wie auch leicht düster. Ich finde das Cover für ein Romantasy-Buch sehr passend, allerdings gefällt mir das Cover vom ersten Band noch etwas besser.

Kritik

„Nach den Kriegstrommeln kamen die Schreie der Überlebenden und das Summen der Fliegen.“, ist der erste Satz des Prologs. Er spielt zwei Jahre vor der Errichtung der unsichtbaren Mauer, also 500 Jahre vor dem ersten Band, und ist aus der Ich-Perspektive von Rhysand. Hieran merkt man, was für eine riesige Age Gap Rhysand und Feyre haben, denn zu dem Zeitpunkt waren noch nicht einmal ihre Urgroßeltern geboren. Der Prolog erzählt vom Ende des großen Krieges zwischen Menschen und Fae, nach dem den Menschen Freiheit und ein eigenes Reich im Süden zugestanden wurde, welches von der Welt der Fae mit einer magischen Barriere getrennt ist. Es soll eine friedliche Koexistenz beider Völker sichern, doch diese Mauer hat Schwachpunkte, die der König von Hybern ausnutzen will. Abgesehen von Prolog und Epilog wird die Geschichte weiterhin im Präteritum aus der Ich-Perspektive von Feyre geschildert. Mit 82 Kapiteln auf fast 750 Seiten ist „Sterne und Schwerter“ der dickste Band der Reihe.

Die männliche Hauptfigur von Das Reich der sieben Höfe ist eindeutig Rhysand. Er ist der High Lord des Nachthofs, inoffiziell auch des Hofs der Träume sowie der Albträume. Er ist der mächtigste der sieben High Lords, denn er beherrscht unter anderem die Manipulation von Dunkelheit, den Wind teilen, fliegen mithilfe seiner Flügel oder Daemati-Fähigkeiten. Das Teilen des Windes ist eine magische Teleportationsfähigkeit, der je nach Stärke des Anwenders über einen unterschiedlich großen Radius verfügt, aber auch mit speziellen Zaubern geblockt werden kann. Daemati sind Fae, die in der Lage sind, Gedanken zu lesen oder in den Geist anderer einzudringen. Magisch Begabte können sich allerdings auch mental dagegen wehren und es blockieren. Rhysand gilt trotz seiner 537 Jahre als sehr attraktiver Mann schwarzblauen Haaren und violetten Augen mit silbernen Sprenkeln. Er ist selbstverständlich groß, muskulös und… hat fledermausartige Flügel, die er ein- und ausfahren kann (finden wir das sexy?). Jedenfalls ist Rhysand nach außen hin kaltschnäuzig, arrogant und unnahbar. Ihm ist klar, dass er verboten gut aussieht, worüber er gerne auch mal Witze reißt. Er ist so ein klassischer Fall von „Harte Schale, weicher Kern“, denn während er die Fassade vor allem in diplomatischen Dialogen aufrecht hält, um möglichst unantastbar, gefährlich und brutal zu erscheinen, tut er all dies nur, um seinem Volk ein Leben in Sicherheit und Frieden zu gewährleisten. Er würde sich selbst opfern, um seine Familie oder sein Volk zu beschützen. Was mir an Rhysand fehlt, sind echte Schwächen. Arroganz, ein Hang zu dramatischen Auftritten und seine dunkle Aura beeinträchtigen ihn nicht negativ. Kurz gesagt: Er ist zwar definitiv liebenswerter als Tamlin, aber dennoch eine zu makellose, ästhetisierte und eher flache Figur.

Maas‘ Schreibstil finde ich weiterhin gewöhnungsbedürftig. Oft wirkt er überladen, weil sie Emotionen gerne mit dramatischen Formulierungen spickt, anstatt sie organisch entstehen zu lassen. Die Sprache schwankt oft zwischen geschwollen und überraschend umgangssprachlich, was das Lesetempo ins Stocken bringen kann. Auch die ständigen Wiederholungen, seien es Gedanken oder Floskeln über Gestik und Mimik, erzeugen manchmal das Gefühl, auf der Stelle zu treten. Wenn ihr jedes Mal, wenn ein Satz mit „Ich/Er/Sie aber…“ beginnt, oder wenn ihr „Sein(e)/Ihr(e) Mund/Augen wurde(n) schmal.“ lest, einen Schnaps trinken würdet, wärt ihr nach ein paar Kapiteln schon sehr betrunken. Der Spannungsbogen liegt nie am Boden, aber auf den ersten 500 Seiten geschieht relativ wenig, weshalb ich mich immer wieder gefragt habe, wann der Krieg gegen Hybern nun eigentlich beginnt. Trotz allem bleibt allein der bevorstehende Krieg mit seinen Vorboten interessant genug, um die Längen überschaubar zu halten.

„Sterne und Schwerter“ ist eindeutig der Band der Reihe mit dem meisten Spice bisher. Feyre und Rhysand treiben es bei fast jeder sich bietenden Gelegenheit miteinander. Dabei geht Maas mal mehr, mal weniger ins Detail. Obwohl ich kein Fan von ausschweifenden Sexszenen bin, fand ich die meisten erträglich, insbesondere weil es nicht jedes Mal ausführlich geschildert wird. Allerdings finde ich die Bezeichnung „Männlichkeit“ für das männliche Geschlechtsorgan dann doch irgendwie toxisch, aber das hat Maas ja schon bei Throne of Glass so gemacht. Auch die Szene im Kriegslager geht gar nicht! Als Feyre durch die Stoffwände die verwundeten und sterbenden Krieger stöhnen hören kann, und Rhysand auch stöhnt, weil Feyre ihm die Zuckerstange lutscht. Einfach nur unangenehm! Zudem gibt es einige Logiklücken, die sofort auffallen, sobald man das Buch nicht nur oberflächlich liest, sondern versucht, sich in die Welt und Figuren hineinzuversetzen. Ein Beispiel wäre Feyres Vater, der schon seit dem zweiten Band – in erzählter Zeit mehrere Monate – auf Geschäftsreise ist, und von dem seine drei Töchter seitdem nichts gehört haben. Trotzdem macht sich augenscheinlich niemand Sorgen um ihn. Dass sein Zuhause aufgrund der Bedrohung von Hybern nicht mehr sicher ist, sowie Nesta und Elain gar nicht mehr dort wohnen, hat ihm offensichtlich auch niemand gesagt. Feyre hat nicht einmal versucht, ihm einen Brief zu schreiben oder anders Kontakt zu ihm aufzunehmen. Und wer ist bitteschön auf unbestimmte Zeit auf Geschäftsreise? Wieso fragt sich keine der drei Töchter, wo ihr Vater ist und wann er wiederkommt? Ich hatte das Gefühl, dass Maas nicht wusste, wo sie Feyres Vater während des Krieges parken soll und sich deshalb für diese ungeschickte Lösung entschieden hat. Ein weiteres Beispiel wären unklare Machtgrenzen bei Feyres Magie. In einem Kampf beschwört sie bspw. Wasser, um einen Feind damit zu ertränken. Einige Seiten später, nach dem Kampf, sackt sie erschöpft zusammen und klagt über starken Durst. Maas gelingt es bei nicht, Feyres magische Grenzen klar abzustecken. Manchmal kann Feyre Elemente erschaffen, dann wieder nur vorhandene bändigen. Auch die Regeln der Seelengefährten sind nicht transparent. Erst heißt es, die Verbindung sei extrem selten, dann aber taucht sie bei fast jeder Hauptfigur auf. Ich habe grundsätzlich nichts gegen Romantasy, allerdings zunehmend den Eindruck, dass der Fantasy-Aspekt unter dieser Synergie stark leidet.

Trotz aller Kritik muss ich zugeben, dass der dritte Band von Das Reich der sieben Höfe bislang der beste ist, vielleicht gerade, weil er auf das große, vielversprechende Finale zusteuert, das durchaus seine starken Momente hat. Seien es der Ouroboros, die Bryaxis, der Suriel oder Feyres Abrechnung mit Ianthe. Ähnlich wie bei Throne of Glass ist das Ende letztendlich aber enttäuschend. Über drei Bände hinweg wird Hybern als uralt, unberechenbar und extrem mächtig dargestellt. Wenn ein Buch eine übermächtige Bedrohung inszeniert, erwartet der Leser auch spürbare Konsequenzen: eine epische Schlacht, in der die aufeinander treffenden Armeen nahezu ebenbürtig erscheinen sowie ein hohes Risiko, dass die persönliche Lieblingsfigur den Krieg nicht übersteht. Letztendlich sind die Konsequenzen aber sehr überschaubar und der Konflikt wird zu zügig gelöst. Maas hat diesen Hang zur rhetorischen Überdramatisierung, aber wenn die Gefahr so künstlich aufgeblasen wird, müsste sie eigentlich mehr Schaden anrichten. Stattdessen überleben fast alle Hauptfiguren, sodass der Eindruck entsteht, sie seien durch Plot-Armor geschützt. Todesfälle betreffen quasi nur Nebenfiguren, die dramaturgisch entbehrlich sind. Ziel ist eher ein romantisches Ende, bei dem jeder Topf noch seinen Deckel findet. Insgesamt ähnelt dieses Ende auch viel zu sehr dem von Throne of Glass, als könne Maas nur diese eine Art von Finale schreiben. Schlussendlich ist der Abschluss für meinen Geschmack zu glatt, teilweise zu vorhersehbar und zu idealisiert. Es ist wunderbar, den Partner fürs Leben gefunden zu haben, aber wir sollten uns von Romantasy nicht vorlügen lassen, dass dies der einzige Weg sei, um glücklich zu werden.

Fazit

Obwohl ich der Meinung bin, dass der dritte Band „Sterne und Schwerter“ von Sarah J. Maas bislang der beste der Reihe ist, ist er dennoch nur ganz in Ordnung. Trotz einiger starker Momente und einem meist soliden Spannungsbogen bleibt das vermeintlich große, kriegerische Finale hinter meinen Ansprüchen zurück. Rhys ist ein cooler, aber zu makelloser Hauptcharakter. Maas‘ Schreibstil ist weiterhin überdramatisiert, weshalb die künstlich aufgeblasene Bedrohung lächerlich schnell und ohne nennenswerte Verluste besiegt wird. Hinzu kommen eine cringe Sexszene, einige Logiklücken und eine übermäßige Plot Armor sowie zu viele Parallelen zu Throne of Glass. Ich wollte Das Reich der sieben Höfe wirklich mögen, aber vielleicht bin ich einfach zu alt dafür. Deswegen kann ich diesem Romantasy-Roman leider nicht mehr als zwei von fünf Federn geben. Ich werde mir nur noch den vierten Band „Frost und Mondlicht“ antun, aber danach möchte ich die Reihe hinter mir lassen.